Industriegase-Hersteller
Flaute trifft Linde im Schlussquartal

Wolfgang Reitzle hat mal wieder Grund zur Freude: Der Chef des Industriegase-Herstellers Linde konnte trotz des schwierigen Marktumfeldes gute Zahlen vorlegen. Die ursprünglichen Ziele für 2008 wurden erreicht, und das kann derzeit wahrlich nicht jedes Unternehmen vorweisen.

FRANKFURT. Der Industriegase-Produzent Linde kann sich dem Wirtschaftsabschwung nicht entziehen. Im Schlussquartal des vergangenen Jahres schrumpfte der Umsatz nach vorläufigen Daten um 2,3 Prozent auf 3,27 Mrd. Euro, wie das Unternehmen gestern in München mitteilte. Der Grund dürfte aus Sicht von Experten eine schwache Nachfrage aus der Metall- und Elektroindustrie sein. Gase von Linde werden etwa bei der Produktion von Stahl oder in chemischen Prozessen verwendet.

Diese Sicht stützt die Entwicklung beim Rivalen Air Liquide. Das französische Unternehmen hatte im vergangenen Quartal in den genannten Bereichen rückläufige Bestellungen verzeichnet. Stabil lief hingegen das Geschäft im Gesundheitsbereich, das in den ersten neun Monaten auch bei der Linde-Gruppe zu den Ertragsstützen gehörte.

Mit Verweis auf die in zwei Wochen stattfindende Bilanzpressekonferenz hielt sich der Münchener Konzern mit einer Begründung für den Rückgang zurück. Dann will Linde auch einen Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr geben. Gestern sagte Vorstandschef Wolfgang Reitzle lediglich: Durch die Konzentration auf das Gase- und Anlagenbaugeschäft könne Linde ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen besser abfedern als früher.

Reitzle hatte zuletzt in seiner Mittelfristplanung einen operativen Gewinn von mehr als drei Mrd. Euro in Aussicht gestellt, sich aber zur Erwartung für dieses Jahr bedeckt gehalten. Im November deutete Reitzle allerdings an, dass die Kunden sich zunehmend zurückhielten. Um der Geschäftsabkühlung entgegenzuwirken, legte Linde daher ein Sparprogramm auf. Die Kosten sollen innerhalb von vier Jahren um bis zu 800 Mio. Euro gesenkt werden; ein Stellenabbau schloss Reitzle nicht aus.

Bereits nach der Übernahme des Konkurrenten BOC im September 2006 war Reitzle bei den Kosten auf die Bremse getreten. Das dabei angestrebte Einsparvolumen von 250 Mio. Euro sollen in diesem Jahr erstmals voll zum Tragen kommen.

Ungeachtet der Abkühlung im Schlussquartal schloss Linde das vergangene Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von 2,9 Prozent auf 12,66 Mrd. Euro ab; der Überschuss sank aber um ein Viertel auf 717 Mio. Euro. Ein Sprecher begründete den Einbruch mit Abschreibungen auf die erworbene BOC. Im Zuge der Übernahme hätten Aktivitäten der Firma aufgewertet werden müssen, die nun wieder abgeschrieben werden müssten, sagte er. Den Umfang bezifferte er auf rund 400 Mio. Euro.

Trotz des schmaleren Gewinns will Linde die Dividende erhöhen. Geplant sei eine Anhebung gegenüber dem Vorjahr von 1,70 auf 1,80 Euro pro Aktie, hieß es. Aufsichtsrat und Aktionäre müssen dem Vorschlag der Konzernführung noch zustimmen. Der Sprecher betonte, dass sich Linde bei der Höhe der Dividende an der operativen Entwicklung und nicht am Überschuss orientiere. Der operative Gewinn legte im Gesamtjahr 5,4 Prozent auf 2,56 Mrd. Euro zu. „Wir haben unsere Ziele in vollem Umfang erreicht, obwohl auch wir die Auswirkungen der weltweiten Rezession zum Jahresende gespürt haben“, sagte Reitzle.

Die Aufstockung der Dividende wurde von den Investoren wohlwollend aufgenommen. Die Aktie kletterte zwischenzeitlich um 3,1 Prozent. „In diesem Marktumfeld ist es positiv, wenn sie die Dividende erhöhen“, sagte Heiko Feber vom Bankhaus Lampe. Damit werde eine Gewinnwarnung unwahrscheinlicher.

Linde folgte mit seiner Ankündigung dem Vorbild des Konkurrenten Air Liquide, der ebenfalls eine höhere Ausschüttung für das vergangene Geschäftsjahr angekündigt hatte.

Der französische Konzern peilt für dieses Jahr weiteres Wachstum an. Linde wie auch Air Liquide können sich damit noch deutlicher von den US-Konkurrenten Praxair und Air Products absetzten. Die beiden Wettbewerber hatten im vergangenen Jahr ihre Gewinnprognosen nach unten schrauben müssen. Wie schon die Bilanz von Linde für die ersten neun Monate 2008 gezeigt hatte, wird vor allem der US-Markt von der Krise gebeutelt. Asien legte hingegen deutlich zu.

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