Industriegasspezialist
Linde kippt Mittelfrist-Ziele

Der Münchener Industriegasespezialist Linde hat sich wegen des Konjunktureinbruchs von seinen mittelfristigen Ergebniszielen verabschiedet. Eine Prognose für das laufende Jahr wagt Unternehmenschef Wolfgang Reitzle nicht.

MÜNCHEN. Der Industriegasekonzern Linde reduziert wegen der aktuellen Konjunkturflaute die mittelfristigen Ziele und verschärft das Sparprogramm. Eine konkrete Prognose für 2009 wagte Konzernchef Wolfgang Reitzle auf der Bilanzpressekonferenz in München nicht. Allerdings war er auch in guten Jahren stets sehr vorsichtig. „Aus heutiger Sicht ist es immer noch möglich, dass der Konzernumsatz und das Ergebnis leicht über oder auf dem Niveau des Rekordjahres 2008 liegen, wir müssen aber auch einen Rückgang einkalkulieren“, sagte Reitzle. Für das Positivszenario sei ein deutlicher Nachfrageanstieg im zweiten Halbjahr zwingend erforderlich. Linde profitiere von seiner breiten und globalen Aufstellung und sei daher weniger konjunkturanfällig als viele andere Unternehmen, sagte Reitzle. So mache Linde mit der Autoindustrie nur rund 500 Mio. Euro Umsatz.

Klar ist aber schon, dass Linde die mittelfristige Ergebnisziele nicht erreichen wird. Der Konzern hatte für das Geschäftsjahr 2010 ein operatives Ergebnis von mindestens drei Mrd. Euro und eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals von mindestens 13 Prozent geplant. „Ich kann nicht sagen, wann wir diese Ziele erreichen. JederTag bringt neue Überraschungen“, sagte der Linde-Chef.

Das Anfang 2008 gestartete Sparprogramm wird nun beschleunigt, soll im Volumen aber nicht groß gesteigert werden. Das Programm sieht vor, die Kosten in vier Jahren um 650 bis 800 Mio. Euro zu senken. Davon sollen im laufenden Jahr bereits 160 bis 200 Mio. Euro umgesetzt werden. So gilt für den gesamten Konzern ein Einstellungsstopp. Es gebe aber keinen Plan, die Zahl der konzernweit 52 000 Beschäftigten kräftig zu senken. Kurzarbeit sei auch nicht geplant, präzisierte Reitzle.

Der Bereich Anlagenbau profitiert noch von einem hohen Auftragsbestand von mehr als vier Mrd. Euro. Allerdings werde der schwächere Auftragseingang nicht ausreichen, den Umsatz des Vorjahres von drei Mrd. Euro zu erreichen. Die rund 400 Leiharbeiter im Ingenieurzentrum in Pullach bei München verlieren ihre Stellen. Die Investitionen werden gekürzt. „Allerdings nur um rund zehn Prozent und nicht um 40 bis 50 Prozent wie in vielen anderen Unternehmen“, sagte Reitzle.

An der Börse enttäuschte Linde wegen der unklaren Prognose. Der Kurs der Linde-Aktie fiel um über 1,5 Prozent und war damit einer der wenigen Verlierer im sonst eher optimistischen Dax-30. Die meisten Analysten sahen allerdings keinen Grund, ihre Empfehlungen für die Aktie zu ändern. Die Commerzbank sieht für die Linde-Aktie nur begrenztes Potenzial für steigende Kurse in den nächsten Wochen und empfiehlt, die Aktie zu halten.

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