Industrie

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Industriekonzern: Geschacher um Problem-Werke von Thyssen-Krupp

exklusivDie Konkurrenz von Thyssen-Krupp weiß um den Verkaufsdruck, der auf dem Konzern lastet. Die Gebote für die beiden Überseewerke liegen daher bislang unter den Vorstellungen der Deutschen. Die pochen auf mehr Geld.

Neben dem Werk im US-Bundesstaat Alabama steht das Thyssen-Krupp-Stahl- und Hüttenwerk in der Nähe von Rio de Janeiro zum Verkauf. Quelle: dpa
Neben dem Werk im US-Bundesstaat Alabama steht das Thyssen-Krupp-Stahl- und Hüttenwerk in der Nähe von Rio de Janeiro zum Verkauf. Quelle: dpa

DüsseldorfDer Industriekonzern Thyssen-Krupp ist mit den Angeboten für seine amerikanischen Stahlwerke unzufrieden „Das Unternehmen hat daher die Interessen aufgefordert, ihre Offerten nachzubessern“, wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfahren hat. Thyssen-Krupp will mit dem Verkauf mindestens den Buchwert erlösen, der bei 3,9 Milliarden Euro liegt.
Eine weitere Wertberichtigung sei für die Führung nicht akzeptabel, hieß es. Der Konzern hat bislang sechs Milliarden Euro auf die beiden Standorte in Brasilien und dem US-Bundesstaat Alabama abgeschrieben.

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Produkte von Thyssen-Krupp Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote

  • Produkte von Thyssen-Krupp: Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
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  • Produkte von Thyssen-Krupp: Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote
  • Produkte von Thyssen-Krupp: Schaufelräder, Zementwerke und U-Boote

Der brasilianische Stahlkocher CSN hat nur 2,6 Milliarden Euro für das US-Werk und für eine Mehrheit an dem Stahlwerk in Brasilien geboten. Zu den Interessen gehören auch Arcelor-Mittal und Nucor.

Die Schattenseiten von Thyssen-Krupp

  • Umgang mit Geschäftspartnern

    Thyssen-Krupp soll den Wettbewerber Salzgitter bei einer Gemeinschaftsfirma betrogen haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht GfT Bautechnik, an der Salzgitter bis vor einem Jahr beteiligt war und die exklusiv die Spundwände der Niedersachsen vertrieben hatte. Bei einer Prüfung im Sommer 2011 sei Salzgitter aufgefallen, dass der Ruhrkonzern zu wenig Geld an die Niedersachsen für die Lieferung dieser Stahlprodukte überwiesen habe.

  • Umgang mit Geschäftspartnern (2)

    Thyssen-Krupp muss sich wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft auf eine Klage der Deutschen Bahn gefasst machen, allerdings wird auch weiter über eine außergerichtliche Einigung verhandelt. Thyssen-Krupp war Teil eines Karrtells, zu dem auch die österreichische Voestalpine und das Bahntechnikunternehmen Vossloh gehörten. Die Firmen sollen von 2001 bis 2008 und teilweise bis 2011 Preise – unter anderem zum Schaden der Bahn – abgesprochen haben.

  • Umgang mit Gewerkschaftern

    Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat Gewerkschafter zu kostspieligen Reisen in der ersten Klasse eingeladen. Mehrfach flogen Vertreter des Arbeitnehmerflügels im Aufsichtsrat nach Asien und Amerika, aber auch zu exotischen Zielen. Die Reisen hatten zum Teil touristischen Charakter

  • Querelen im Vorstand

    ThyssenKrupp-Vorstand Jürgen Claassen ließ im Zuge von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Essen im Zusammenhang mit Luxusreisen Anfang Dezember 2012 sein Amt ruhen. Er wolle durch den Schritt „angesichts der derzeitigen öffentlichen Berichterstattung Schaden vom Unternehmen fernhalten“. Claassen war wegen luxuriöser Reisen in die USA unter Druck geraten, die er von seinem Arbeitgeber finanzieren ließ, obwohl sie nicht vornehmlich dienstlich veranlasst schienen.

    Wenige Tage später griff Aufsichtsratschef Gerhard Cromme durch und setzte nicht nur Claassen vor die Tür. Auch zwei weitere Vorstände mussten gehen – insgesamt die Hälfte der Mitglieder des Top-Führungsgremiums.

  • Korruptionsvorwürfe

    Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt gegen 14 Beschuldigte wegen des Verdachts auf Untreue. Im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in Kasachstan soll es Schmiergeldzahlungen an eine Briefkasten-Firma im US-Bundesstaat Georgia gegeben haben. Die Ermittlungen gingen auf interne Ermittlungen von Thyssen-Krupp zurück.

  • Das Werk in Brasilien (1)

    Als Thyssen-Krupp 2005 seine Pläne für die Expansion auf den Stahlmarkt in Südamerika und den USA präsentierte, klang alles sehr einfach. Mit günstig in Brasilien produziertem Qualitätsstahl wollte der Ruhrkonzern den US-Hüttenbetreibern Marktanteile abjagen. Dass deutsche und asiatische Autokonzerne zeitgleich im Süden der USA Produktionsstätten errichteten, machte die Strategie plausibel.

    Problematisch war allerdings die Umsetzung. Die Stahlhütte vor den Toren der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro kostete nicht 1,3 Milliarden Euro, wie zunächst angekündigt. Die Investitionen summierten sich letztendlich auf mehr als fünf Milliarden Euro. Das Werk wurde weitaus teurer. Wegen Fehlplanungen muss die Kokerei umfangreich nachgebessert werden, auch bei anderen Teilen des Hüttenwerks gibt es Probleme.

  • Das Werk in Brasilien (2)

    Im Werk der lokalen Thyssen-Krupp-Tochter CSA wurde mehrfach Graphitstaub in die Luft gewirbelt. Der sogenannte „Silberregen“ setzte sich in etwa zwei Kilometern Entfernung vom Stahlwerk im Nachbarort Santa Cruz auf Straßen und Häusern ab. Die Anwohner klagten über Atembeschwerden und Hautausschläge. Seit der Eröffnung des Werks im Jahr 2010 hat Thyssen-Krupp-CSA wegen der Pannen mehrfach Strafen zahlen müssen: umgerechnet 700.000 Euro beim ersten, 1,1 Millionen Euro beim zweiten Mal und zuletzt vier Millionen Euro.

  • Das Werk in den USA

    Auch beim Bau eines Stahlwerks im US-Bundesstaat Alabama hatte sich der Stahlkonzern verkalkuliert. Wegen Planungsfehlern und veränderten Rahmenbedingungen entwickelte sich auch diese Projekt zu einem Milliardengrab. Gemeinsam belasten die beiden Hütten die Bilanz mit mehreren Milliarden Euro. Insgesamt hat Thyssen-Krupp zwölf Milliarden Euro für die Werke ausgegeben.

Thyssen-Krupp hatte die Werke im vergangenen Jahr zum Verkauf gestellt, da nur mit massiven Investitionen diese in die Gewinnzone geführt werden könnten. Auf der heutigen Hauptversammlung werden die Mehrkosten für die Hütten eine zentrale Rolle spielen. Aktionärsschützer werfen der Konzernführung vor, die Kostenexplosion durch mangelnde Kontrolle erst möglich gemacht zu haben.

Bilanzcheck zum Download Der große Umbau bei Thyssen-Krupp

Die Handelsblatt-Redaktion hat die Thyssen-Krupp-Bilanz durchforstet und analysiert. Vorstandschef Heinrich Hiesinger steht – immer noch – vor einer gewaltigen Aufgabe. Die komplette Analyse des Zahlenwerks.

Die Arbeitnehmerseite stärkte dem umstrittenen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme im Vorfeld der Hauptversammlung den Rücken. „Unsere Leute haben mit Cromme den Aufräumprozess bei Thyssen-Krupp gestartet“, sagte der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Knut Giesler der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Freitag). Er vertraue seinen „Kollegen auf der Arbeitnehmerseite voll und ganz, dass sie sich richtig entscheiden“.

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