Industriekonzern
Salzgitter wagt Blick nach vorne

Bislang hat sich der zweitgrößte unabhängige Stahlproduzent Deutschlands mit einem Ausblick für das laufende Geschäftsjahr zurückgehalten. Doch nun wagt Salzgitter-Vorstandsmitglied Wolfgang Eging gegenüber dem Handelsblatt erstmals eine Prognose.

mur/HB DÜSSELDORF. "Ich rechne für den Geschäftsbereich Röhren für dieses Jahr mit einem kleinen Umsatzrückgang", sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Eging dem Handelsblatt. Für das Minus machte er vor allem die gesunkene Nachfrage der Automobilindustrie verantwortlich, für die der Konzern Präzisionsrohre fertigt.

Der Geschäftsbereich Röhren gilt bei Salzgitter als sichere Bank, da der Konzern unter anderem Röhren für die Ostsee-Pipeline liefert. Eging hofft nun auf Folgeaufträge. "Wir haben bei diesen Premium-Produkten eine ausgewiesene Expertise", sagt er mit Blick auf die geplante Pipeline "Nabucco", die Gas aus dem kaspischen Raum über die Türkei nach Österreich bringen soll.

Die Röhrensparte ist der am schnellsten wachsende Geschäftsbereich der Niedersachsen. Innerhalb von fünf Jahren verdoppelte sich der Umsatz auf zuletzt 1,82 Mrd. Euro, dies ist rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes. Am 5. März will Salzgitter Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen.

Der kürzlich in den Leitindex Dax aufgestiegene zweitgrößte unabhängige Stahlproduzent Deutschlands hat sich bislang mit einem Ausblick für das laufende Geschäftsjahr zurückgehalten, was Vorstandschef Wolfgang Leese mit der unsicheren Marktlage begründet hatte. Unter der Wirtschaftsflaute leidet vor allem der Stahlbereich, der ähnlich massive Einbrüche wie Thyssen-Krupp Steel verbucht haben dürfte. Deutschlands Marktführer hatte im November und Dezember einen Auftragsrückgang von bis zu 50 Prozent verzeichnet.

Dem Abwärtstrend kann sich auch der Stahlhändler Klöckner nicht entziehen, der sich nun für schwere Zeiten rüstet. "Wir können im Moment noch keinen Aufwärtstrend sehen", sagte Vorstandschef Thomas Ludwig dem Handelsblatt. Auch wenn er keine konkrete Prognose nannte. "Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös." So schließt Ludwig eine Halbierung des operativen Gewinns 2009 nicht aus. Dies sei aber ein Krisenszenario.

Impulse erhofft sich Ludwig von den angekündigten Konjunkturpaketen, die die Bauindustrie positiv beeinflussen dürften.

Wie andere Stahlfirmen wird die Klöckner von den Auswirkungen der Finanzkrise getroffen. Firmen aus der Bau- und Autoindustrie dampfen ihre Bestellungen ein und bauen stattdessen eigene Lagerbestände ab.

Auch Klöckner verfolgt diese Strategie und reduzierte die eigenen Bestände um mehr als zehn Prozent, wie Ludwig sagt. Das Duisburger Unternehmen verringert damit die Gefahr weiterer Abschreibungen. Bereits im abgeschlossenen Quartal riss die nach dem Bilanzierungsstandard IFRS vorgeschriebene Neubewertung der Vorräte das Unternehmen in die roten Zahlen. Der operative Verluste summierte sich auf 65 Mio. Euro. Zugleich schrumpfte der Umsatz um sieben Prozent

Im Gesamtjahr könnte das Unternehmen seine Prognose beim Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) nur dank Veräußerungserlösen erfüllen. Das Ergebnis erhöhte sich um 60 Prozent auf 595 Mio. Euro, verbucht wurden dabei auch Rückstellungen für eine Kartellstrafe. Die französischen Aufsichtsbehörden hatten Klöckner wegen Preisabsprachen eine Geldstrafe von 79 Mio. Euro aufgebrummt.

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