Industriekonzern
Thyssen-Krupp: Eine ziemlich heiße Kiste

Lange hat Ekkehard Schulz gezögert. Nun hat der Thyssen-Krupp-Chef gehandelt. Mit einem Konzernumbau will er das Traditionsunternehmen durch die Krise bringen. Zugleich ist das Rennen um seine Nachfolge offener denn je.

RIO DE JANEIRO/DUISBURG. Die Begrüßung für den Chef fällt ziemlich rau aus. Vor der Bühne, auf die Karl-Ulrich Köhler gleich steigt, haben seine Stahlkocher eine Sargattrappe platziert, darauf das blaue Logo ihres Konzerns, der silberne Bogen von Thyssen über den drei Kreisen von Krupp. Seit zehn Jahren gehören sie zusammen, als Thyssen-Krupp.

Die Stahlmänner wissen, die Lage ist mies. Ihre Hütten werden heruntergefahren, viele hier müssen bereits kurzarbeiten. Sie wollen von Köhler, dem Chef der Stahlsparte, wissen, wie es weitergeht mit ihren Jobs. Einer brüllt Köhler entgegen: "Ihr da oben müsst mit dem Sparen anfangen!"

Köhler wirkt nervös, geht ein wenig ziellos durch die Menge, mehrere Tausend sind gekommen. Einer, der nachher auf der Bühne neben ihm steht, sagt, dass Köhler zitterte. Er weiß, er muss Zuversicht versprühen, beschwichtigen, vielleicht die Krise des Stahlkonzerns ein wenig schönreden. Gerade hat Vorstandschef Ekkehard Schulz das Wort Kündigungen in den Mund genommen. Köhler, der Vorstand mit dem Malochervollbart ums Kinn und dem polierten Helm auf dem Kopf, drückt hier eine Hand, sagt dort ein paar Worte. Genervt fragt ein Stahlwerker: "Wer ist das denn?"

Damals hätte man antworten müssen: Stahlchef Köhler, der Kronprinz von Ekkehard Schulz, einem Konzernchef, von dem sich mancher nicht mehr sicher war, ob er noch weiterwusste.

Heute, kaum drei Wochen nach der Betriebsversammlung bei Thyssen-Krupp Steel in Duisburg, könnte man antworten: Köhler ist ein Sündenbock. Schulz baut den Konzern um, und für Köhler ist kein Platz mehr. Ende März geht er auf Kurzarbeit null.

Ekkehard Schulz versucht den Befreiungsschlag. Denn er hat kaum noch eine Wahl. Da ist die Weltwirtschaftskrise, die die Nachfrage nach Stahl einbrechen lässt. Und da sind auch hausgemachte Probleme: Viel später als die Konkurrenten hat Thyssen-Krupp die Produktion reduziert. Und, noch viel schlimmer, Schulz & Co. bekommen riesige Investitionsprojekte in Brasilien und den USA einfach nicht in den Griff: Die Kosten schnellen in die Höhe, die Inbetriebnahme verzögert sich immer weiter. Ausgerechnet die neuen Standorte, mit denen Schulz Thyssen-Krupp in eine neue, globale Größenordnung führen wollte, wie er im September 2006 angekündigt hatte, reißen den Konzern nun in eine Krise.

Nun hat sich Schulz zum Handeln entschlossen. Nächsten Freitag wird er den Aufsichtsrat um Zustimmung ersuchen für die neue, schlankere Konzernstruktur, der neben Köhler noch zwei weitere Vorstände weichen müssen: Edelstahl-Chef Jürgen Fechter und Automotive-Mann Wolfram Mörsdorf. Es geht Schulz um sein eigenes Vermächtnis - und um seine Machtbasis. Zehn Jahre steht er an der Spitze, bis 2011 läuft sein Vertrag. Das Rennen um seine Nachfolge hatte sich zuletzt beschleunigt, weil Schulz, 67, nicht mehr Herr der Dinge bei Thyssen-Krupp zu sein schien. Nun ist er es wieder, das ist die Message für die Seinen.

Ekkehard Schulz ist noch da, wieder da.

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