Industriekonzern Thyssen-Krupp spielt bei Stahlfusion auf Zeit

Der Preisdruck in der Stahlbranche belastet Thyssen-Krupp weiter. Die Gespräche über eine Zusammenlegung der Sparte mit Tata ziehen sich weiter hin. In anderen Konzernenteilen läuft es allerdings besser.
Update: 09.02.2017 - 11:49 Uhr 1 Kommentar

„Thyssen-Krupp - Ertrag schwach, Bilanz schwach und hohe Risiken“

„Thyssen-Krupp - Ertrag schwach, Bilanz schwach und hohe Risiken“

DüsseldorfBei den sich seit Monaten hinziehenden Gesprächen über eine Stahlfusion von Thyssen-Krupp und Tata Steel ist kein rascher Durchbruch in Sicht. „Da kann ich Ihnen keine festen Zeitpläne geben. Das wäre einfach unseriös“, sagte Thyssenkrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff am Donnerstag. Tata bemühe sich, Hindernisse wie die milliardenschweren Pensionslasten in Großbritannien aus dem Weg zu räumen. „Da ist doch was unterwegs. Da muss man Tata auch die nötige Zeit geben, das abzuarbeiten.“ Derweil kämpft das europäische Stahlgeschäft von Thyssen-Krupp mit einem Gewinnschwund. Der Gesamtkonzern konnte jedoch dank der profitablen Aufzugssparte und des Geschäfts mit Autoteilen zulegen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 (per Ende September) um 40 Prozent auf 329 Millionen Euro. Vorstandschef Heinrich Hiesinger bekräftigte die Prognose, wonach der operative Gewinn im Gesamtjahr auf 1,7 Milliarden Euro von zuletzt 1,5 Milliarden steigen soll. „Wir bauen den Anteil der Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte aus. Das ermöglicht uns, in Zukunft stabilere Ergebnisse zu erwirtschaften und profitabel zu wachsen“, sagte der Manager. Er treibt seit seinem Amtsantritt 2011 den Umbau des Konzerns weg vom schwankenden Stahlgeschäft und hin zu den Technologiegeschäften voran.

„Das Weltwunder von Rottweil“
Lösungen für Megacitys
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Bis ins Jahr 2050 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Gebäude schießen deshalb in die Höhe. Anders ist der steigende Platzbedarf in den Megacitys der Welt gar nicht zu bewältigen. Nach einem Bericht des McKinsey Global Institute steigt die Geschossfläche von Gebäuden dadurch allein bis 2025 um schätzungsweise 85 Prozent. Die Menschen möglichst effizient von A nach B zu bringen, ist eine bauliche Herausforderung. Die Lösungen dazu entstehen ab 2016 in Rottweil – im Testturm von Thyssen-Krupp.

Wachablösung nach 700 Jahren
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Unmittelbare Auswirkungen hat das für den Kapellenturm in Rottweil. Das mittelalterliche Bauwerk entzückt schon seit Jahrhunderten kulturhistorischer Besucher in der ältesten Stadt Baden-Württembergs – zudem war der 70 Meter hohe gotische Kirchturm gut 700 Jahre lang das höchste Gebäude der Stadt. Doch diesen Rekord ist er los.

Der Testturm überragt alles
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Die Ausnahmestellung ist dahin, weil Thyssen-Krupp in einem Industriegebiet am Rande der Stadt einen 246 Meter hohen Testturm gebaut hat, der alles überragt.

40 Millionen für den Testturm
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In dem Riesenzylinder will der Industriekonzern seine modernsten Aufzüge testen, um damit im Konkurrenzkampf mit Otis, Schindler oder Kone punkten. 40 Millionen Euro hat Thyssen-Krupp in den Bau seines derzeit größten Testturms rund 90 Kilometer südlich von Stuttgart investiert. Am Montag, 12. Dezember, nahm das Unternehmen offiziell den Forschungsbetrieb auf

Thyssens Ertragsperle
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Der Essener Traditionskonzern gehört zu den großen Aufzugsherstellern der Welt: Rund 7,2 Milliarden Euro setzte die Sparte zuletzt um und ist mit einer Marge in zweistelliger Höhe die Ertragsperle des Konzerns. Sie steuerte mit einem operativen Ergebnis von 860 Millionen Euro zuletzt mehr als die Hälfte zum Konzerngewinn bei. Bis spätestens 2020 soll die Sparte die Marke von einer Milliarden Euro knacken.

Neun Aufzugsschächte für Tests
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In Rottweil kann Thyssen Krupp seine Aufzüge unter ganz realen Bedingungen überprüfen. Zwölf Schächte sind in dem Testturm eingebaut, davon werden neun für die Tests mit Aufzügen benutzt, deren Höchstgeschwindigkeit 64,8 Kilometer pro Stunde beträgt. Herzstück des Rundturms ist ein aktiver Schwingungstilger – ein 240 Tonnen schwerer Betonblock, der an vier Doppelseilen in 190 Metern Höhe hängt. Dieser Block soll die vom Wind ausgelösten Schwingungen ausgleichen. Gleichzeitig kann er über Motoren aber so aktiviert werden, dass er das Gebäude selbst in Schwingungen versetzt. „Damit können wir das Verhalten eines jeden Gebäudes simulieren, bevor es gebaut wird“, sagte Andreas Schierenbeck, Chef von Thyssen-Krupp Elevator

Aufzüge mit elektromagnetischem Antrieb
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Gleich drei Schächte sind für den „Multi“ reserviert. Bei dem neuen Aufzugskonzept wird auf ein Seil verzichtet, stattdessen bewegt sich der Multi dank eines elektromagnetischen Antriebs. Entlehnt ist das Prinzip aus dem Transrapid, den Thyssen-Krupp zusammen mit Siemens entwickelt hat. Angetrieben von eigenen Motoren können gleich mehrere Kabinen in einem Schacht computergesteuert auf- und abfahren. Der Aufzug fährt nicht nur vertikal sondern kann sich auch seitwärts über mehrere Schächte hinweg bewegen oder Gebäude miteinander verbinden. Bis zu 50 Prozent weniger Fläche erhofft sich Schierenbeck — bei deutlich höheren Kapazitäten.

Das Stahlgeschäft leidet unter Preisdruck, Überkapazitäten und Billig-Importen aus China. In der europäischen Stahlsparte fiel der operative Gewinn auf 28 Millionen von 51 Millionen vor Jahresfrist. Dies sei enttäuschend, erklärten die Experten von Jefferies. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit 53 Millionen Euro gerechnet. An der Börse ergriffen Anleger die Flucht: Die Aktie gab zeitweise um 4,8 Prozent nach. „Die Aussagen zu Tata liefern wenig Unterstützung, zudem ist das erste Quartal eher durchmischt ausgefallen“, sagte ein Händler.

Dabei waren die Stahlpreise auch wegen Anti-Dumping-Maßnahmen der USA und der EU gegen Billigimporte aus Asien zuletzt angestiegen. Bei Thyssen-Krupp schlug dies wegen der vielen noch laufenden Langfristverträge aber noch nicht durch. "Die höheren Preise werden erst im Laufe des Geschäftsjahres sichtbar werden", erklärte Finanzchef Kerkhoff. Im Gesamtjahr werde Steel Europe seinen Gewinn deutlich steigern.

Weltmarkführer Arcelor-Mittal legt am Freitag Zahlen vor. Tata Steel hatte am Dienstag erstmals seit über einem Jahr wieder für ein Quartal schwarze Zahlen vorgelegt. Auf dem Unternehmen lasten jedoch Pensionslasten in Großbritannien von 15 Milliarden Pfund (17,5 Milliarden Euro). Thyssen-Krupp will dafür nicht geradestehen. Tata sei dabei, eine Lösung zu finden, betonte Kerkhoff. "Das läuft. Wir sehen doch erhebliche Fortschritte, die Tata dort macht."

  • rtr
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1 Kommentar zu "Industriekonzern: Thyssen-Krupp spielt bei Stahlfusion auf Zeit"

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  • Ich weis nicht, ob Thyssen-Krupp in einer CO2 freien Energiewende Merkel Ideologie Politik in Zukunft noch Geschäfte in Deutschland machen kann.
    CO2 freie und Energiewende stehen für Mangel, Armut und Rückschritt einer Volkswirtschaft!

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