Infineon-Chef Bauer
„Drei, vier positive Jahre liegen vor uns“

Noch im Frühjahr galt Infineon als Pleitekandidat. Inzwischen läuft es besser: Eine Kapitalerhöhung hat die Bilanz gestärkt, die Nachfrage zieht an, im letzten Quartal schrieb der Konzern wieder Gewinn. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erläutern Vorstandssprecher Peter Bauer und Finanzvorstand Marco Schröter, wie es nun weitergehen soll.
  • 0

Handelsblatt: Herr Bauer, werden Sie übermütig, sobald Infineon wieder etwas Geld in der Kasse hat?

Peter Bauer: Sie meinen, weil wir jüngst über eine Dividende gesprochen haben?

Genau. Im Frühjahr mussten Sie noch um die Finanzierung kämpfen. Jetzt haben Sie sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld beschafft und wollen das gleich an die Aktionäre ausschütten.

Marco Schröter: Moment. Wir haben nur erklärt, dass eine Dividende für das laufende Geschäftsjahr trotz unserer Verlustvorträge in Höhe von etwa sechs Milliarden Euro theoretisch möglich wäre. Um über eine Ausschüttung für das laufende Geschäftsjahr zu entscheiden, haben wir aber bis zur Hauptversammlung 2011 Zeit.

Bauer: Es war nicht unsere Absicht, eine Dividende konkret in Aussicht zu stellen. Aber dass unsere Aktionäre irgendwann einmal eine Ausschüttung fordern, ist doch legitim.

Die Finanzierung steht, Infineon hat 1,7 Mrd. Euro in der Kasse, schon wird über Akquisitionen spekuliert. Wollen Sie zukaufen?

Bauer: Ich schließe Zukäufe nicht generell aus. Voraussetzung wäre, dass Gewinn und Wert des Unternehmens davon profitieren und uns eine mögliche Investition strategisch voranbringt. Momentan ist nichts geplant.

Schröter: Für gute Investitionen gäbe es natürlich Geld, aus welchen Quellen auch immer. Momentan läuft unser Geschäft ganz gut. Dennoch sollten wir die nächsten zwei, drei Quartale abwarten, bis wir genauer wissen, wohin die Reise geht.

Wie groß könnte eine Übernahme denn maximal sein?

Schröter: Generell haben wir früher gesagt: Wir wollen 20 bis 25 Prozent vom Umsatz als Cash-Reserve halten. Das wären auf Basis des vergangenen Geschäftsjahres 800 Millionen Euro. Wir hätten also kurzfristig etwa 200 Millionen Euro Spielraum aus eigenen Mitteln.

Herr Schröter, wollen Sie auf der Hauptversammlung erneut die Voraussetzungen für eine Kapitalerhöhung schaffen?

Schröter: Die Einladung geht am 30. Dezember raus. Vorher gibt es keine Details.

Zuletzt standen Kostensenkungen im Fokus. Wo wollen Sie mit Infineon langfristig hin?

Bauer: Zunächst wollen wir in Ertrag und Umsatz wachsen. Ich glaube, drei bis vier positive Jahre in der Halbleiterbranche liegen vor uns, sollte es nicht doch noch zu schweren Verwerfungen in der Weltwirtschaft kommen. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von drei Trends: Die Auftragsfertiger werden an Bedeutung gewinnen, die Unternehmen unserer Branche werden sich stärker spezialisieren und in einzelnen Feldern versuchen, eine kritische Masse zu erreichen.

Stichwort Auftragsfertiger. Drei der vier von ihnen selbst betriebenen Werke stehen in Deutschland und Österreich, obwohl Sie die Hälfte vom Umsatz in Asien erzielen.

Bauer: Die Frage ist doch: Was ist die Kosten-Nutzen-Relation, die Werke zu verlagern? Eine Halbleiterfertigung können Sie nicht mal eben kurz hier ab- und schnell woanders wieder aufbauen. Wir bräuchten mehrere Jahre und das bedeutete einen enormen finanziellen Aufwand. Mal abgesehen von der Frage, wie erhaltenswürdig diese Arbeitsplätze sind – hier spielen Mitarbeiterqualifikation und Innovationskraft eine große Rolle – ist dies derzeit nicht der richtige Einsatz unserer Barmittel. Aber klar ist auch: Für keine Fabrik gibt es auf ewig eine Bestandsgarantie.

Hat Infineon denn die kritische Masse? In den vergangenen Jahren ist der Umsatz geschrumpft.

Bauer: Ja, schauen Sie nur auf unsere führende Marktposition. Wir sind gut aufgestellt. Es geht darum, unsere Position weiter auszubauen. Der wirtschaftliche Druck in der Branche wird zu einer gewissen Konsolidierung führen, das wird uns helfen.

Seite 1:

„Drei, vier positive Jahre liegen vor uns“

Seite 2:

Kommentare zu " Infineon-Chef Bauer: „Drei, vier positive Jahre liegen vor uns“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%