Infineon-Chef Wucherer
„Der hohe Aktienkurs schreckt Käufer ab“

Die Kasse des Chipherstellers Infineon ist prall gefüllt, dennoch sieht Aufsichtsratschef Klaus Wucherer die Münchener nicht als Übernahmekandidat. Im Interview erklärt er, was aus den alten Siemens-Seilschaften geworden ist und welche Herausforderungen auf seinen Nachfolger warten.
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Handelsblatt: Herr Wucherer, nach vielen Jahren mit roten Zahlen sitzt Infineon jetzt auf einem Berg von Geld. Fürchten Sie nicht, dass der Konzern bald geschluckt wird?

Klaus Wucherer: Angst vor einer Übernahme hatte ich, als der Kurs voriges Jahr am Boden lag. Ich wusste ja, welches Potenzial wir haben. Gott sei Dank ist nichts passiert.

Und jetzt? Demnächst wird Infineon mehr als zwei Milliarden in der Kasse haben.

Inzwischen sind wir zu teuer, da schreckt der hohe Kurs ab. Ein Käufer braucht schon ein sehr spezielles Wissen, um den Wert stärker zu steigern als wir das selbst auch können. Weitere Synergien sind nach der Restrukturierung auch nicht mehr zu heben.

Infineon ist ein leichtes Ziel, es fehlt ein Großaktionär.

Ein hoher Streubesitz hat sicher Vor- und Nachteile. Immerhin gibt es einige größere Investoren, die uns schon lange Zeit begleiten.

Und die jetzt angesichts hoher Gewinne und einer Dividende zum ersten Mal richtig zufrieden sein dürften.

Richtig, wir haben umgesetzt, was ich zur Hauptversammlung im Februar angekündigt hatte.

Vor Ihrer Wahl an die Spitze des Aufsichtsrats tobte eine regelrechte Schlammschlacht. War das angesichts Ihrer Vergangenheit bei Siemens nicht vorherzusehen gewesen?

Absolut nicht. Als der Streit im Januar ausbrach und einige Fonds einen Gegenkandidaten aufstellten, da war ich gerade mit meiner Frau in Urlaub. Da hatte vorher niemand mit mir gesprochen.

Warum sind Sie überhaupt angetreten? Es lag doch nahe, dass die Verschwörungstheorien über alte Siemens-Seilschaften wieder hochkommen würden.

Das war meine Pflicht. Es stand extern schlichtweg niemand mit dem nötigen Format zur Verfügung. Angesichts der Tatsache, dass Infineon kurz vorher noch hohe Verluste schrieb, war das auch kein Wunder. Nur um das klar zu stellen: Um mich in den Vordergrund zu drängen oder um viel Geld zu verdienen, habe ich das sicher nicht gemacht.

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  • Wucherer war letzte HV die richtige Wahl. Der Gegenkandidat war schon bei der Vorstellung ausgesprochn schwach (wie hieß gleich noch 'mal?). Deshalb hat sich dann auch die Stimmung gedreht. Aber in einem irrt Wucherer: Der Kurs der infineon-Aktie ist bei weitem noch nicht zu hoch. Es wird bestimmt ein Anschleichen eines industriellen interessenten geben. Und für Pensionsfonds, die derzeit stark bei infineon engagiert sind, ist diese Gesellschaft nicht das richtige investment, da technologisch zu riskant. Sie sollten eher bei Siemens investiert sein. Die infineon-Aktie ist nach wie vor ein Kauf!

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