Infrastruktur
Fehlplanung in der Wasserwirtschaft

Da hat sich wohl jemand verkalkuliert: Vor dreißig Jahren rechneten die Wasserversorger mit einer stetig steigenden Nachfrage. Doch die Kunden verbrauchten immer weniger. Jetzt sitzen die Versorger auf einem massiv aufgerüsteten Leitungssystem - und stellen die Kosten dem Verbraucher in Rechnung.

FRANKFURT. Die Geschichte der Wasserwirtschaft ist auch eine der grandiosen Fehlplanung. In den Siebziger- und Achtzigerjahren hatten Forscher noch einen deutlichen Schub beim Wasserverbrauch vorhergesagt: Von 134 Liter pro Bürger im Jahr 1975 sollte sich die tägliche Abnahmemenge auf über 200 Liter erhöhen. Tatsächlich fiel der Bedarf auf 124 Liter - und die Tendenz zeigt weiter nach unten. Mit effizienten Haushaltsgeräten verbrauchen die Menschen immer weniger.

Eine Entlastung bei den Wasserpreisen bringt dies indes nicht: Angesichts der erwarteten Steigerungsraten hatten die Versorger ihr Leistungssystem massiv aufgerüstet. Nun sitzen sie auf hohen Fixkosten für dessen Unterhalt, die auf die Kunden umgelegt werden. Prekär ist die Situation vor allem in Gegenden wie dem Ruhrgebiet oder Teilen Ostdeutschlands, in denen viele Menschen wegziehen.

Dieser strukturelle Unterschied ist einer der Gründe, warum ein Preisvergleich in der Wasserwirtschaft schwierig ist. Hinzu kommt, dass die Gewinnung von Trinkwasser in den einzelnen Regionen unterschiedlich teuer ist. So bezieht eine Stadt wie München den Rohstoff kostengünstig aus den Alpen. Berlin muss hingegen das Wasser aus der Tiefe pumpen; zugleich muss der Regionalversorger in der Hauptstadt dafür sorgen, dass in niedrig liegenden Stadtteilen das Grundwasser nicht zu stark ansteigt. Für viel Geld wird dieses abgepumpt. Der Kubikmeter Wasser ist in München daher mit 1,50 Euro rund einen Euro günstiger als in Berlin.

An den Beispielen München und Berlin zeigen sich auch die unterschiedlichen Abrechnungsmodelle. Während in Berlin eine Gebühr von der Kommune festgelegt wird, legen die Stadtwerke in München die Preise fest. Diese werden dann von der Landeskartellbehörde kontrolliert. Viele Experten kritisieren dieses parallele Abrechnungssystem als intransparent. Eine zügige Änderung ist allerdings nicht in Sicht, wie Mark Oelmann von dem Forschungsinstitut Wik sagt. Kein Wunder, denn viele Kommunen finanzieren mit den üppigen Einnahmen aus dem Wassergeschäft andere Bereiche wie den Nahverkehr oder die öffentlichen Bäder.

Ein Blick etwa in die vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium erstellte Preisübersicht in dem Land zeigt die Diskrepanz zwischen den einzelnen Anbietern: So kostet ein Kubikmeter beim Wasserverband Hümmling 0,59 Euro, bei Eon Avacon sind es 2,31 Euro. Wechseln können die Kunden nicht, denn die jeweiligen Anbieter haben eine Monopolstellung. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich daran etwas ändert.

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