Inhaftierung wegen Vorwurf des "betrügerischen Bankrott"
Parmalat-Gründer Tanzi festgenommen

Parmalat-Gründer Calisto Tanzi ist festgenommen worden. Ihm wird Veruntreuung in Millionenhöhe vorgeworfen. Ein italienisches Gericht erklärte den Parmalat-Konzern am Samstag für insolvent.

HB BERLIN. Der Gründer des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, ist am Samstag in Mailand festgenommen worden. Das teilte die italienische Polizei mit und bestätigte damit Medienberichte. Tanzi sei am Abend in Mailand in Gewahrsam genommen worden, hieß es. Ihm wird «betrügerischer Bankrott» vorgeworfen.

Presseberichten zufolge hat Tanzi mehrere hundert Millionen Euro auf Privatkonten abgezweigt. Wie die italienische Tageszeitung «Corriere della Sera» am Sonntag berichtete, soll Tanzi eine halbe Milliarde Euro veruntreut haben. Der Tageszeitung «La Repubblica» zufolge handelt es sich sogar um eine Summe von mehr als 600 Millionen Euro.

Insgesamt habe die Familie Tanzi die Konten des Konzerns um 1,7 Milliarden Euro geplündert, berichtete «La Repubblica» unter Berufung auf Behördenangaben weiter.

Zuvor hatte ein Gericht in Parma den Lebensmittelkonzern für insolvent erklärt. Die Gläubiger des Unternehmens haben nun 120 Tage Zeit, um ihre Zahlungsforderungen vorzulegen. Der Insolvenzstatus erlaubt Parmalat zudem, aktuelle Rechnungen zu begleichen, statt nur noch die in den vergangenen Jahren aufgehäuften Schulden abzuzahlen.

Am Montag hatten die Behörden Ermittlungen gegen den 65-jährigen Tanzi eingeleitet. Am Mittwoch folgte ein Durchsuchungsbefehl für das Wohnhaus des Parmalat-Gründers. Tanzi hatte mitgeteilt, er halte sich im Ausland auf, wolle aber nach Italien zurückkehren. Die Ermittler suchten nach Dokumenten, die die Behauptung des früheren Finanzdirektors Fausto Tonna über Bilanzfälschungen stützten. Einem Pressebericht zufolge sollen die Bilanzen des Konzerns seit 15 Jahren gefälscht worden sein. Tanzi hatte am 15. Dezember alle Ämter abgegeben.

Parmalat hatte am Mittwoch Gläubigerschutz beantragt. Außerdem wurde Krisenmanager Enrico Bondi zum vorläufigen Verwalter des hoch verschuldeten Unternehmens bestimmt. Innerhalb der kommenden sechs Monate soll er einen Sanierungsplan erarbeiten.

Das französische Unternehmen Danone dementierte indes am Samstag italienische Presseberichte, wonach es an Parmalat interessiert sei. Die Zeitung «Stampa» hatte berichtet, Danone sei an der Übernahme der Käse- und Joghurtproduktion interessiert.

Beim in den größten europäischen Bilanzskandal verwickelten Parmalat-Konzern klafft eine Finanzlücke von mindestens sieben Milliarden Euro. Allein bei der auf den Cayman-Inseln ansässigen Finanztochter Bonlat wurde ein Loch im Umfang von 3,95 Milliarden Euro in der Bilanz entdeckt.

Indes berichtete die «Financial Times» am Mittwoch, dass bis zu zehn Milliarden Euro von Parmalat-Konten in Singapur und auf den Kaiman-Inseln verschwunden seien. Die Zeitung berief sich dabei auf mit den Untersuchungen vertraute Kreise.

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