Initiative von 40 Unternehmen
Aldi, Bahn, Telekom – Konzerne fordern den Kohleausstieg

Die mögliche Jamaika-Koalition ist uneins in der Klimapolitik. Darum fordern nun 40 Konzerne von Aldi bis Telekom in einer Erklärung klare Ansagen: Die künftige Regierung müsse den Ausstieg aus der Kohle vorantreiben.
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DüsseldorfWährend sich Union, FDP und Grüne bei den Sondierungsgesprächen in Berlin öffentlich beharken, wenn es um die Klima- und Energiepolitik geht, zeigen sich 40 deutsche Konzerne geschlossen. Mit einer gemeinsamen Erklärung am Mittwoch wollen sie den Druck auf die Politik erhöhen, den Klimawandel energischer zu bekämpfen, berichtet die „Börsen-Zeitung“. Der Klimaschutz müsse „zentrale Aufgabe“ einer künftigen Regierung sein, heißt es in dem Schreiben.

Angestoßen wird die Initiative von der „Stiftung 2 Grad“, die unter anderem durch namhafte Konzerne wie Aldi, die Deutsche Bahn und die Telekom finanziert wird. Aber auch weitere Unternehmen wie Adidas, Siemens und EnBW haben sich dem Appell angeschlossen. „Die zukünftigen Regierungsparteien sind dazu aufgerufen, ein konsistentes Konzept vorzulegen, wie die 2020-Ziele und die Ziele des Klimaschutzplans 2050 erreicht werden können“, hatte Stiftungsvorständin Sabine Nallinger bereits erklären lassen.

„Als wesentliche Innovationstreiber brauchen Energiewende und Wärmewende durch den neuen Koalitionsvertrag einen zusätzlichen Schub“, heißt es in dem Appell weiter. Die Sektorenziele für das Jahr 2030 sollten bald implementiert werden, nachdem man zuletzt die selbstgesteckten Ziele verfehlt hatte.

Was aus ihrer Sicht konkret zu ändern ist, verraten die Unternehmen ebenfalls: „Unverzichtbar ist ein verlässlicher und sozialverträglicher Ausstiegspfad bei der Kohleverstromung“, zitiert die „Börsenzeitung“ aus dem Schreiben. „Dazu gehört eine schrittweise Verringerung der treibhausgasintensiven Kraftwerkskapazitäten unter Berücksichtigung der Versorgungssicherheit und der Klimaziele.“ Darüber hinaus müsse CO2 wirksam bepreist, die Ausschreibungsmengen für erneuerbare Energien erhöht und der Anreiz zum Stromsparen gesteigert werden.

Damit setzt die Industrieinitiative insbesondere FDP-Chef Christian Lindner unter Druck, der zuletzt öffentlich die Klimaziele infrage gestellt hatte.

Kommentare zu " Initiative von 40 Unternehmen: Aldi, Bahn, Telekom – Konzerne fordern den Kohleausstieg"

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  • Anmerkung zum Kommentar von heute, 11:50 Uhr:

    Menschenrechtsanwälte hingegen finden sich weltweit immer öfter hinter Gittern wieder.

    Und "überkritische" Journalisten sowie Menschenrechts- bzw. Umweltaktivisten auf dem Friedhof.

  • Im Gastbeitrag „Realitäsfremde Politik“ (heute auf der letzten Seite im HB) klagt der Energieexperte Stephan Kohler:

    „Die Kluft zwischen Anspruch, Zielen und der Realität: Mit illusorischen Annahmen wird die Energiewende und der Klimaschutz in Deutschland an die Wand gefahren“

    Der wichtigste Satz im ganzen Beitrag lautet m.E. aber:

    „Heute ist klar, dass das von der Politik beschlossene CO²-Reduktionsziel von minus 40 Prozent bis 2020 nicht erreichbar ist. >>> DIES FICHT DIE HEUTE ZUSTÄNDIGEN MINISTERIEN ABER NICHT AN.“

    Wie man auf folgendem Link auf den ersten Blick erkennen kann, rekrutieren sich unsere „politischen Vertreter“ weit überproportional aus der Berufsgruppe der Juristen:
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36615/umfrage/berufe-der-bundestagsabgeordneten-16-wahlperiode/

    Zum Artikel „Nicht zu rechtfertigen“ über die „Paradise Papers“ (heute auf S. 12 im HB):

    In der von mir in meinen Kommentaren vom 07.11.2017 um 11:00 und 11:15 Uhr erwähnten „hart aber fair“-Sendung wurde sehr richtig diagnostiziert, dass:

    1.) Legal NICHT dasselbe wie „legitim“ ist

    2.) Der eigentliche Skandal mit gesellschaftsschädigenden „Anwalt“-Kanzeleien à la Mossack Fonseca und Appleby, deren Geschäftsmodell justament das Ausnutzen der vom Gesetzgeber – also den Politikern – erlassenen Gesetze (respektive derer Lücken) ist, also die betreffenden Gesetze selbst sind.

    Hier schließt sich wirklich der Kreis.



    PS: Zum im Forum tobenden Streit über Sinnhaftigkeit und "Sozialkompatibilität" der (Eigen-)Energieversorgung des Unternehmens ALDI habe ich dortselbst gestern einfach mal - unter Einfügung der entsprechenden Kommentare - per Mail angefragt und um Aufklärung gebeten.

  • Es ist immer das gleiche: Die Konzerne und CEOs und langhaarige 68er in Jesus-Sandalen sind bei der Umwelt komplett einer Meinung! Wer bei der Diskussion fehlt ist jedoch die Mittelschicht - die berufstätigen dir für ihren Strom wirklich bezahlen und arbeiten müssen (kein Hartz IV) und die auch keinen steuervergünstigten Strom bekommen (Aldi usw.), die "normalen" Leute! Die wollen nämlich gar keine Energiewende, sie wollten sie noch nie, und sie wollten übrigens auch nie einen Atomausstieg, siehe Wahlergebnis 2009.

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