Innenministerium erteilt Auftrag
EADS baut digitalen Polizeifunk auf

EADS baut in Deutschland den digitalen Polizeifunk auf. Das Bundesinnenministerium erteilte dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern den Zuschlag. Im Vorfeld hatte es großen Streit um das Ausschreibungsverfahren gegeben. Motorola und andere IT-Dienstleister waren früh ausgeschieden.

HB MÜNCHEN. Mit dem Aufbau des digitalen Funks solle zügig begonnen werden, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. EADS arbeitet bei dem Auftrag mit dem Siemens-Konzern zusammen. Die Kosten für den Aufbau werden früheren Angaben zufolge auf 3 bis 4 Mrd. Euro geschätzt. Dafür können dann aber auch Feuerwehren, Rettungsdienste, Katastrophenschutz und THW die neue Technik nutzen.

Nach quälend langen Diskussionen zwischen Bund und Ländern soll das analoge Funksystem der Behörden mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bald durch ein digitales Funknetz abgelöst werden. Im Grundsatz hatte sich die Innenministerkonferenz bereits Ende der 90er-Jahre darauf verständigt, den veralteten und störanfälligen Analogfunk zu ersetzen. Die digitale Funktechnologie ist in nahezu allen Ländern Europas seit Jahren Standard. Eigentlich hätte das System spätestens zur Fußball-WM einsatzbereit sein sollen.

Motorola beklagt Ausschreibung

Der Mobilfunk- und Netzwerkausrüster Motorola hatte im Vorfeld der Vergabe massive Kritik am Ausschreibungsverfahren geübt. "Es kann nicht sein, dass ein so großes Projekt ohne Wettbewerb und ausschließlich nach Papierform bereits entschieden wird", hatte Motorola-Deutschland-Chef Norbert Quinckert dem Handelsblatt im März gesagt. Er forderte eine neue Ausschreibung des Bundesinnenministeriums, weil weder technische Details noch Preise geprüft worden seien.

Auch die Telekom-Tochter T-Systems, die sich gemeinsam mit Motorola und dem Elektronikunternehmen Rohde & Schwarz um das Geschäft beworben hatte, äußerte sich enttäuscht. Man habe jedoch keinen Zweifel daran, dass das Vergabeverfahren kompetent abgelaufen sei. T-Systems hofft darauf, in einer späteren Phase des Projekts – etwa beim Betrieb des Digitalfunk-Netzes – noch zum Zuge zu kommen.

Anfang März hatten Motorola, Marconi und Vodafone Schreiben des Beschaffungsamtes des Innenministeriums erhalten: Demnach seien die IT-Ausrüster aus dem im Dezember 2005 begonnenen Wettbewerbsverfahren ausgeschieden. Zur Begründung sei auf die mangelnde Erfüllung technischer Anforderungen verwiesen worden, hieß es bei Motorola. Als einziger Anbieter verblieb das letztlich siegreiche EADS-Konsortium.

Ist EADS qualifiziert?

Das digitale Funknetz für Behörden muss im Gegensatz zu kommerziell genutzten Mobilfunknetzen spezifische Eigenschaften wie Gruppenruf-Funktionen, Ausfallsicherheit und Verschlüsselungsfunktionen haben. Sowohl EADS, als auch Motorola setzen dabei auf ein Netz nach dem Tetra-Standard (Terrestrial Trunked Radio). Motorola nimmt dabei für sich in Anspruch, im Bereich von Tetra-Netzen als Marktführer die weit größere Erfahrung zu haben.

EADS hielt dem entgegen, man habe sich im Vorjahr mit dem Kauf der Digitalfunk-Sparte von Nokia gezielt verstärkt. Der Konzern soll für den Kauf der Nokia-Sparte samt ihrer 325 Mitarbeiter einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investiert haben. Eine EADS-Sprecherin betonte, dass man bereits in Finnland, Schweden, Belgien und neuerdings in Ungarn landesweite Tetra-Netze aufgebaut habe.

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