Innogy-Werbung: Grüne Tochter provoziert RWE

Innogy-Werbung
Grüne Tochter provoziert RWE

Innogy, die neue „grüne“ Tochtergesellschaft von RWE, will sich mit einer aufwändigen Werbekampagne vom Mutterkonzern emanzipieren. Ein spezieller Slogan ist aber fast schon zynisch – und bringt Klimaschützer in Rage.

DüsseldorfDer Slogan ist pointiert, die Platzierung aber suboptimal. Wer im Düsseldorfer Flughafen im Terminal A die Sicherheitsschleuse passiert, wird von einem ebenso großflächigen wie knalligen Plakat begrüßt: „Rheinland wird Reinland“, steht da mit weißer Schrift auf rotem Grund – und „Energie wird Innogy“. Die neue Gesellschaft, in die der Energiekonzern RWE sein Geschäft mit der Energiewende gebündelt hat, stellt klar: Die Energiewelt wird grün – und Innogy mischt mit.

Mutiger wäre das Plakat vor drei Wochen in Lützerath platziert gewesen, rund 50 Kilometer südwestlich vom Düsseldorfer Flughafen. In der kleinen Gemeinde in der Nähe von Erkelenz trafen sich Umweltaktivisten aus dem ganzen Bundesgebiet zum „Klimacamp im Rheinland“. Jahr für Jahr demonstrieren sie an der Grenze des gewaltigen Tagebaus Garzweiler für einen Stopp der Braunkohle-Förderung. Zu gerne würden die engagierten Klimaschützer das Rheinland zum „Reinland“ machen. Für sie ist die Braunkohle der Klimakiller Nummer eins.

Vermutlich hätten die Klimaschützer den Slogan  aber wohl eher als Hohn empfunden. Innogy wird auch nach dem in wenigen Wochen geplanten Börsengang schließlich noch mehrheitlich RWE gehören. Der Energieversorger betreibt den Braunkohletagebau in Garzweiler, ist Europas größter Emittent des klimaschädlichen Kohlendioxid und wehrt sich seit Jahren verzweifelt gegen ein rasches Ende der Braunkohleförderung.

„Das Rheinland kann nur zum Reinland werden ohne die dreckige Braunkohle“, lästert Karsten Smid, Energieexperte von Greenpeace, „Innogy gibt sich jung, modern, flippig und will alte Zöpfe abschneiden. Das geht aber im Rheinland nur mit der Beendigung der dreckigen Braunkohleverstromung, alles andere ist Greenwashing.“ Es sei „schizophren“, wenn die RWE-Tochter Innogy für saubere Erneuerbare Energien werbe, während die Mutter RWE noch eisern an dem Betrieb von dreckigen Braunkohlekraftwerken festhält.

Dabei soll die neue Marke doch den Aufbruch in die schöne neue Energiewelt symbolisieren und mit der schmutzigen Vergangenheit brechen. „Innogy ist bunt, flexibel, voll geballter Energie und kreativer Ideen“, wirbt Peter Terium, derzeit noch Chef beider Unternehmen, der sich nach dem Börsengang auf die Führung von Innogy konzentrieren soll. Vor kurzem startete das neue Unternehmen seine Werbekampagne – mit Fernsehspots, Anzeigen und eben großen Plakataktionen. „Wiese wird Wiesn“, heißt es München, „Berliner Luft wird saubere Luft“ in der Hauptstadt und „Mainhattan wird Reinhattan“ in Frankfurt.

Nur im Rheinland ist die Aktion offenbar etwas zu weit gegangen. „Die Werbekampagne geht nach hinten los“, meint jedenfalls Greenpeace-Experte Smid. „Niemand lässt sich die neue, saubere Ökowelt von Innogy vorgaukeln, wenn er im Hintergrund die dreckigen  Abgasfahnen der RWE-Braunkohlekraftwerke sieht.“ Und was mag wohl der designierte RWE-Chef Rolf-Martin-Schmitz sagen, wenn er in diesen Tagen von Düsseldorf aus zu Verhandlungen über Atom und Kohle nach Berlin fliegt?

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