Innovationen
China wird zur Patentfabrik

Bislang galten einige asiatischen Staaten als Kopisten. Allmählich jedoch beginnen sie sich von ihren Vorbildern aus Europa und den USA zu emanzipieren. Speziell China meldete Patente in Rekordzahl an, während westliche Staaten schwächeln. Immer mehr Innovationszweige verlagern sich nach China.
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DÜSSELDORF. Huawei macht sich derzeit am europäischen Handymarkt breit – wenn auch über einen Umweg. Das chinesische Technologieunternehmen beliefert die Deutsche Telekom und Vodafone mit eigenproduzierten Handys. Die Hoffnung der Chinesen: Irgendwann mal mit einer eigenen Marke erfolgreich sein.

In absehbarer Zeit wird diese Bescheidenheit nicht mehr nötig sein. Der chinesische Technologieriese ist der zweitgrößten Patentanmelder der Welt, noch vor dem deutschen Spitzenreiter Bosch. 15,3 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftete Huawei 2009 und einen Gewinn von 1,9 Mrd. Euro.

Das Unternehmen steht an der Spitze einer Entwicklung, die nicht nur die Elektronikbranche betrifft. Quer durch alle Branchen melden die Chinesen wie verrückt Patente an. Laut der Weltorganisation für geistiges Eigentum WiPo waren es im vergangenen Jahr 7.906 weltweit. Im Vergleich zum Vorjahr explodierte die Zahl um 30 Prozent, im Vergleich zu den letzten fünf Jahren hat sie sich sogar verdoppelt – im Gegensatz zu allen, weltweit angemeldeten Patenten, die 2009 um 4,5 Prozent zurück gingen.

Experten sind sich einig: Das Riesenreich setzt zum Sprung zur Hightech-Nation an. „Wir werden langfristig eine anhaltende geografische Hinwendung der innovativen Leistung zu neuen Spielern sehen, besonders in Asien“, sagt der Generaldirektor der WiPo Francis Gurry. „China verabschiedet sich aus dem Kopiermodus“, sagt Ralph Lässig von der Beratungsgesellschaft Roland Berger.

In der Elektronikbranche produzieren die Chinesen bereits auf Weltmarktniveau, so die Einschätzung von Lässig. Nächstes Jahr werden sie laut dem Berater auch im Bereich Textilmaschinen der größte Produzent weltweit und, in wenigen Jahren, auch auf den europäischen Exportmarkt mit eigenentwickelten Produkten drängen.

Nicht nur die massiven Subventionen der chinesischen Regierung stützen diesen Trend. Früher gab es Billigkopien von westlichen Produkten auf dem chinesischen Binnenmarkt. Jetzt hat sich das Wissen angehäuft, die Chinesen können nun eigenständig forschen und weiterentwickeln. Die Universitäten und Forschungseinrichtungen der Chinesen sind weltweit konkurrenzfähig geworden.

Ein weiterer Indikator für die neue Innovationskraft ist die Anzahl der wissenschaftlichen Fachartikel. Sie steigt bei den Chinesen rasant. Inzwischen veröffentlichen nur die USA noch mehr Forschungsergebnisse in internationalen wissenschaftlichen und technischen Zeitschriften.

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  • Was sich schon seit einiger Zeit anbahnt und immer klarer zum Vorschein kommt, scheint nur noch nicht bei vielen bürgern, Politikern und Unternehmen angekommen zu sein.
    Die freuen sich lieber euphorisch über ihre Milliardenaufträge nach China, die nur dem einen Zweck dienen: Sicherung des Know-Hows und belieferung der industrie solange es die chinesischen Firmen noch nicht können.

    Und danach wird das Spiel umgedreht. Die Joint-Ventures werden aufgelöst, ausländischen Unternehmen wird der Zugang zum chinesichen Markt erschert und im Ausland werden die chinesischen Produkte aggressiv mit allen erdenklichen Methoden und Mitteln vermarktet. Und dann steht das deutsche Exportwunder blöd da...
    Upps, an wen sollen wir den jetzt liefern? Klimageräte nach Afrika? Oder Heizsysteme in die Antarktis?

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