Inside: ACS
Ausländische Helfershelfer

Der spanische Mischkonzern ACS ist sowohl in der Baubranche als auch im Stromgeschäft des Landes ein wichtiger Spieler. Jetzt soll Konzernchef Perez nach Iberdrola greifen – an dem Versorger ist ACS schon beteiligt. Doch an diesem Brocken könnte sich der ehrgeizige Manager verschlucken.

Seit Wochen kocht die Gerüchteküche über eine bevorstehende Neuordnung des spanischen Strommarktes. Im Zentrum steht dabei der spanische Mischkonzern ACS, ursprünglich ein Bauunternehmen, das auch mit rund 30 Prozent größter Aktionär des Essener Konkurrenten Hochtief ist und sich in Spanien zunehmend im Stromgeschäft breit macht. So hält ACS große Beteiligungen an den Versorgern Iberdrola und Union Fenosa und will erklärtermaßen zu einem noch größeren Player in der Branche aufsteigen – etwa durch eine Fusion beider Unternehmen.

ACS-Chef Florentino Perez ist kein Mann, der solche Absichten kundtut und dann nicht handelt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er sein Ziel erreicht. Es fragt sich nur wie. Denn der finanzielle Spielraum von ACS ist begrenzt. Schon jetzt liegt die Verschuldung beim 4,7-fachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Iberdrola hat jedoch eine Marktkapitalisierung von über 50 Milliarden Euro, und inklusive der Tochter Iberdrola-Renovables dürfte eine Übernahme bis zu 100 Milliarden Euro kosten, rechnen Analysten vor. ACS kommt nur auf einen Börsenwert von 13 Milliarden Euro. Der Konzern ist eine Nummer zu klein, um Iberdrola ganz oder auch nur große Teile davon allein zu übernehmen.

Die Alternative wäre, andere Beteiligungen zu verkaufen. Dass ACS Hochtief verkauft, hält kein Kenner der Branche für möglich, im Gegenteil: Viele rechnen damit, dass ACS mittelfristig dieses Investment ausbauen wird. Abgesehen davon würde ein Verkauf von Hochtief auch nicht viel helfen. Momentan hat der ACS-Anteil einen Börsenwert von nur 1,2 Milliarden Euro.

Als weitere Alternative wurde zuletzt kolportiert, dass Perez seine 45 Prozent an dem drittgrößten spanischen Versorger Union Fenosa verkaufen könnte, um dann Iberdrola zu übernehmen. Doch auch das ist nicht sehr realistisch. Für seinen Anteil an Union Fenosa könnte ACS vielleicht sechs Milliarden Euro erwarten, längst nicht genug für Iberdrola. Außerdem ist Perez in der Führungsspitze von Iberdrola nicht willkommen. Es bedürfte schon eines sehr attraktiven Kaufpreises, um die nötigen Mehrheiten unter den Iberdrola-Aktionären zu bekommen.

Für ACS gibt es nur einen Weg: Der Konzern braucht einen oder mehrere starke Partner aus dem Ausland, die den finanziellen Kraftakt der Iberdrola-Operation größtenteils alleine stemmen. Perez könnte sich dann – ohne große finanzielle Anstrengungen – die Rosinen aus dem Iberdrola-Kuchen picken, die am besten zu der bereits von ACS kontrollierten Union Fenosa passen. Doch das wird nicht einfach sein. Die französische EDF hätte als Staatskonzern große Widerstände in Spanien zu überwinden. Etwas leichter könnte es als Privatunternehmen die Düsseldorfer Eon haben. Doch auch Eon ist bei Iberdrola derzeit nicht erwünscht und hat schon bei der gescheiterten Endesa-Übernahme erfahren, welche Hürden Spaniens Politiker einem unliebsamen ausländischen Investor in den Weg stellen können.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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