Inside: Airbus
Reißbrett braucht Flügel

Airbus und Boeing sind nicht nur die Könige der Lüfte, sondern auch ewige Rivalen. Der letzte Streich von Airbus kam in Form des Riesenflugzeugs A380 – ein Projekt, dass sich um Jahre verzögerte und den Konzern mit in die Krise stürzte. Währenddessen spielt sich der eigentliche Kampf in einem anderen Marktsegment ab.

MÜNCHEN. Bei dem Flugzeughersteller Airbus steht ein wichtiges Datum ins Haus: Am 15. Oktober wird der erste Riesenairbus A380 an den Erstkunden Singapore Airlines übergeben. Das ist eine stolze Verzögerung von zwei Jahren. Die Fertigungprobleme des doppelstöckigen Megaliners kosten Airbus mindestens fünf Milliarden Euro, viel Vertrauen bei Kunden und Aktionären. Mit dem Linieneinsatz der ersten A380 soll zumindest die Reputation wieder hergestellt werden. Denn der neue Airbus-Chef Tom Enders kann endlich die Liefertermine für die rund 170 bestellten Exemplare halten.

Dabei entscheidet sich die Zukunft von Airbus an einem ganz anderen Projekt. Denn der Markt für den Megaliner A380 ist begrenzt, der Konkurrenzkampf mit Boeing tobt in der Leistungsklasse darunter. Flugzeuge mit zwei Triebwerken und Platz für 250 bis 400 Passagiere werden in den kommenden Jahren das deutlich größere Marktsegment stellen, das bezweifelt auch Airbus nicht. Und hier haben die Europäer das Rennen gegen den Erzrivalen Boeing in der ersten Runde klar verloren. Die Boeing 787 „Dreamliner“ soll schon 2008 zum ersten Mal ausgeliefert werden. Mit 700 Festbestellungen ist die Maschine schon jetzt ein Renner.

Airbus hat sich lange auf den Bau seines Riesenfliegers konzentriert und die Bedrohung nicht ernst genommen. Halbherzig schickten die Europäer vor drei Jahren die A350 ins Feld, doch der Entwurf entpuppte sich als Etikettenschwindel. Der Rumpf war identisch mit dem Vorgänger A330, Airbus spendierte lediglich neue Flügel und Triebwerke. Doch die Rechnung ging nicht auf: Wichtige Kunden, darunter Singapore Airlines, forderten öffentlich eine Revision.

Die Neuentwicklung hat 2006 erst einmal einen neuen Namen bekommen. A350 XWB steht für „extended wide body“ und verweist auf einen breiteren Kabinenumfang, wie die Kundschaft ihn gefordert hat. Airbus will einen völlig neuen Rumpf bauen, der nicht mehr aus Aluminium, sondern aus Kohlefasern gefertigt wird. Damit kostet die Entwicklung fünf Milliarden Euro mehr und das Flugzeug kommt frühestens 2013 auf den Markt.

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