Inside: Akzo Nobel
Neue Zeitrechnung

Der traditionsreiche Chemiekonzern Akzo Nobel hat einen tiefgreifenden Umbau angestoßen, der noch nicht ganz vollendet ist. Konzernchef Hans Wijers rechnet etwa durch den Zukauf von ICI bereits mit höheren Synergieeffekten als ursprünglich erwartet. Der ehemalige Politiker bleibt zudem an Bord und will die Früchte seiner Arbeit gerne selber ernten.

Genau genommen beginnt die Geschichte von Akzo Nobel im Jahr 1866. Damals erfand der Schwede Alfred Nobel das Dynamit. Fast ein halbes Jahrhundert später, im Jahr 1911, wurde in den Niederlanden die Kunstfaserfabrik Algemeene Kunstzijde Unie (AKU) gegründet, die 1969 mit der 1918 entstandenen Koninklijke Zwanenberg Organon (KZO) zur Akzo fusionierte. Erst 1994 fanden dann die beiden Konzerne Akzo und Dynamit Nobel zusammen und firmieren seither als Akzo Nobel.

Bei dieser historischen Betrachtung wird klar, was für eine schwere Entscheidung das Management treffen musste, um sich nach dem Verkauf der Pharmasparte Organon für elf Milliarden Euro und dem Erwerb von ICI für zwölf Milliarden Euro neu zu positionieren. Schließlich reichen die Wurzeln von ICI ebenfalls fast 100 Jahre zurück.

Zum Beginn der neuen Zeitrechnung wird der traditionelle Name ICI aufgegeben. Die neue Bezeichnung ist die alte, nur in etwas veränderter Schreibweise: AkzoNobel - ohne Bindestrich und ohne Leerzeichen. Zugleich wird der Firmensitz aus der Provinz Arnheim nach Amsterdam verlagert. Das wären nur Äußerlichkeiten, jedoch muss der niederländische Chemiekonzern ohne seine Pharmasparte auskommen und sich als weltgrößter Farben- und Lackhersteller mit angeschlossener Herstellung von Spezialchemikalien behaupten.

Zugleich gehen die Arbeiten am Portfolio weiter. Die von ICI übernommenen Klebstoffe sind bereits an Henkel verkauft, als Nächstes steht die Stärkesparte, die ebenfalls mit ICI übernommen wurde, zur Disposition.

Die Übernahme von ICI wurde bereits im Januar abgeschlossen, nun prognostiziert Konzernchef Hans Wijers statt der ursprünglich geplanten Kosteneinsparungen von 280 Millionen jährliche Minderausgaben von 340 Millionen Euro. Auch wenn Wijers von einer Konjunkturabschwächung in Europa und vor allem in den USA ausgeht, so will der Marktführer stärker wachsen als die Konkurrenz. 2007 betrug der Pro-Forma-Umsatz 14,4 Milliarden Euro. 60 000 Menschen bietet der Konzern einen Arbeitsplatz. Am Mittwoch legt Akzo-Nobel die Zahlen für das erste Quartal 2008 vor. Sie geben einen ersten Hinweis darauf, wie sich das Geschäft mit den zugekauften ICI-Aktivitäten tatsächlich entwickelt.

Auch will Wijers, der von 1994 bis 1998 Wirtschaftsminister in den Niederlanden war, die Früchte seiner Arbeit offenbar selber ernten. Der heute 57-Jährige wurde nach Stationen als Lehrer an der Erasmus Universität und bei verschiedenen Beratungsunternehmen 2002 ins Board bei Akzo Nobel berufen, wo er 2003 den Vorsitz übernahm. Das war zu einer Zeit, wo noch nicht so recht klar war, was aus dem Konzern einmal werden sollte. Zuletzt wurde daher spekuliert, dass Wijers nach getaner Umbauarbeit sich wieder einer anderen, womöglich sogar politischen Arbeit widmen werde.

Dass es nun anders kommt, finden Investoren gut. Der Aktienkurs hat die starken Verluste zu Jahresbeginn komplett wieder aufgeholt.

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