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Alitalia: Konsorten in Not

Die Finanzkrise bremst die Verhandlungen zur Übernahme von Alitalia. Erst letzte Woche hat die krisengeschüttelte Fluggesellschaft die Hauptversammlung, die den Kauf durch die Investorengruppe CAI absegnen soll, auf Ende des Monats verschoben.

Angeblich müssen noch Details geklärt werden. Tatsächlich dürften die Details aber finanzielle Probleme der Käufer sein. Denn die Finanzkrise wird dem ein oder anderen patriotischen Investoren Magenschmerzen bereiten weil die Geldbeschaffung klemmt oder weil die eigenen Geschäfte im Zuge des Konjunkturabschwungs stocken.

Bemerkenswert ist der Fall des Roberto Colaninno, Chef des Vespa-Herstellers Piaggio und künftiger Alitalia-Vorstandsvorsitzender. Er hatte sich ursprünglich einen dreistelligen Millionen-Beitrag von Lehman Brothers finanzieren lassen wollen. Die sind inzwischen pleite.

Da Colaninno bei seiner Zusage bleibt, hat er wohl andere Geldquellen gefunden. Vielleicht ist es die Großbank Intesa Sanpaolo, die die Regierung als Advisor für den Alitalia-Verkauf eingesetzt hat. Die Mailänder Bank hat bereits angekündigt, dass sie die Transaktion nicht nur beraten, sondern auch teilweise finanzieren will.

Aber auch bei Intesa Sanpaolo dürfte in diesen Zeiten das Geld nicht mehr so locker sitzen. Die Bank ist nicht gerade üppig mit Eigenkapital ausgestattet. Und auch wenn sie bisher keine Kapitalerhöhung nötig hat, so muss die Bank doch bei der Vergabe von Krediten vorsichtig sein. Es bleibt nur zu hoffen, dass die großzügigen Zusagen der europäischen Regierungen zur Abschirmung der Banken den gewünschten Effekt haben und die Liquidität ins Finanzsystem zurückkehrt. Andernfalls müsste das Investorenkonsortium, das sich auf das Abenteuer Alitalia einlassen will, Tafelsilber ihrer eigenen Unternehmen oder Immobilien verkaufen, um die zugesagten Beteiligungen auch eingehen zu können.

Die Gruppe der patriotischen In-vestoren, die Alitalia vor der Über-nahme durch einen Ausländer bewahren wollen, wird Ende des Monats ohnehin anders aussehen als bei der Ankündigung der Rettungsaktion. Bis vor kurzem hielten sich Gerüchte, zwei der insgesamt 16 Unternehmer würden sich aus dem Konsortium komplett verabschieden: Die Familie Marcegaglia des gleichnamigen Stahlkonzerns hat das jedoch dementiert und Claudio Sposito mit dem Fonds Classidra äußert sich bisher nicht offiziell. Vermutlich werden sich zwei neue Unternehmer beteiligen: Nerio Alessandri, der Gründer des Fitnessgeräte-Herstellers Techngogym und der Investor Francesco Micheli.

Mit dem angenehmen Effekt: Mehr Investoren bedeutet kleinere Lasten für jeden Einzelnen. Einer muss sich jedenfalls keine Sorgen machen: Der Chef des bisherigen Alitalia-Konkurrenten Air One, Carlo Toto. Denn Toto bringt nach den bisherigen Plänen sein Unternehmen größtenteils in die neue Fluggesellschaft ein und wird seine Maschinen an die neue Alitalia verleasen. Finanzierungsprobleme plagen ihn daher nicht.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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