Inside: Altana
Komfortable Basis

Der Pharma- und Chemiekonzern Altana macht eine radikale Wandlung durch: Aus dem Unternehmen wird ein reiner Chemiekonzern, der Konzernsitz wird nach Wesel verlegt. Insgesamt ein mutiger und umfassender Schritt, der allerdings wohl kalkuliert ist.

FRANKFURT. In gut vier Wochen beginnt für Altana endgültig ein neues Zeitalter. Mit dem Beschluss über Sitzverlegung (nach Wesel), eine neue Satzung und die Ausschüttung von mehr als viereinhalb Milliarden Euro werden die Aktionäre Anfang Mai offiziell den Wandel vom Pharma- und Chemiekonzern zum reinrassigen Spezialchemie-Unternehmen besiegeln und damit auch den Abstieg von Altana aus dem obersten Segment der deutschen Börse. Faktisch wurde die Transformation bereits im vergangenen Herbst eingeleitet – mit der Entscheidung des Managements und der Großaktionärin Susanne Klatten, das Pharmageschäft an Nycomed zu verkaufen und den Erlös in Form einer Sonderdividende auszuschütten. Nur wenige Konzerne in Deutschland haben bisher einen derart radikalen Schnitt vollzogen.

Für die verbleibenden Aktivitäten von Altana ist dieser Wandel indessen viel weniger gravierend als er aussieht. Der scheidende Konzernchef Nikolaus Schweickart hatte zwar im Pharmageschäft zuletzt keine glückliche Hand mehr. Er war aber weitsichtig genug, die beiden Teile des Konzerns schon seit langem als weitgehend eigenständige und nahezu komplett getrennte Einheiten zu führen. Anders als so manche Chemie-Neugründung muss sich die „neue Altana“ also nicht erst eine eigene Kultur und Identität zusammenbasteln. Sie ist bereits eine hochprofitable und operativ eingespielte Einheit, sieht man einmal davon ab, dass vielleicht die Integration der 2005 erworbenen Firma Eckart noch ein paar Arbeiten erfordert.

Mit einem Umsatz von 1,3 Mrd. Euro kann sich Altana zwar nicht gerade zu den Schwergewichten im Chemiegeschäft zählen. Aber in dieser nach wie vor fragmentierten Industrie mit einem Heer an Mittelständlern und Kleinunternehmen muss das nicht viel heißen. Selbst Branchenführer BASF erreicht kaum mehr als drei Prozent Marktanteil. Und zumindest in der Vergangenheit hat das Bad Homburger Unternehmen mit Spezialprodukten wie Kunststoffzusätzen, Farbpigmenten und Kabelisolierungen eine ausgesprochen erfolgreiche Nischenstrategie betrieben. Mit einer operativen Marge von gut zwölf Prozent und einer Ebitda-Rendite von mehr als 18 Prozent gehört die Altana-Chemie zu den Spitzenverdienern.

Ihre Ausgangsbasis als reinrassiger Chemiespezialist ist insofern ein ganzes Stück besser als die von vielen anderen Gebilden, die in den vergangenen Jahren aus der Neuordnung der Chemiebranche hervorgegangen sind. Firmen wie der Bayer-Abkömmling Lanxess oder die von Finanzinvestoren gehaltene Cognis können von solchen Renditen nur träumen.

Die Herausforderung für Matthias Wolfgruber, den alten und neuen Chef von Altana Chemie, wird also eher darin bestehen, die bisherigen Margen und zweistelligen Wachstumsraten fortzuführen. Er setzt wie bisher auf eine Kombination aus organischem Wachstum und kleineren Zukäufen. Und die geplante Bilanzstruktur mit lediglich rund 300 Mill. Euro Netto-Verschuldung gibt ihm zumindest gewissen Spielraum für eine Expansion.

Andererseits ist nicht zu übersehen, dass sich inzwischen auch die Großchemie wieder mehr für Spezialitäten interessiert. Tendenziell wächst also die Konkurrenz. Und natürlich könnte sich daraus über kurz oder lang auch die Frage entwickeln, ob nicht auch die neue Altana in irgendeine anderweitige Spezialitäten-Strategie passen könnte. Aber wie bereits beim Pharmaausstieg gilt auch hier: Die Zukunft der neuen Altana hängt am Ende davon ab, wie viel Perspektiven die Mehrheitseignerin in ihrem Unternehmen sieht.

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