Inside: Amazon
Geduld zahlt sich aus

Jeff Bezos hat doch Recht. Der Gründer und Chef von Amazon investiert seit Jahren unbeirrt von finanziellen Rückschlägen Millionen in die technische Basis und den Kundendienst seines internetbasierten Versandhandels. Das vergangene Jahr belohnte ihn für seine Hartnäckigkeit, der Amazon-Kurs hat sich verdoppelt. Das brachte nicht einmal Google fertig.

PORTLAND. Amazons UImsatzplus beschleunigte sich auf 41 Prozent im dritten Geschäftsquartal, die Rohgewinnmarge verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr annähernd und der Reingewinn vervierfachte sich. Amazons Umsatz 2007 dürfte in der Region von 15 Milliarden Dollar liegen und bei einem freien Cashflow von rund einer Milliarde Dollar herrscht kein Mangel an Mitteln für weitere Investitionen.

Amazons Warenangebot ist mittlerweile riesig, die Preise sind oft die günstigsten, die Zustellung ist prompt, der Kundendienst zuverlässig und freundlich. Womit sich Amazon im vergangenen Jahr deutlicher denn je vom konventionellen Versandhandel absetzen konnte, ist indessen ihre ausgefeilte Softwareplattform. Eingetragene Kunden können Preise vergleichen und lesen, was andere zu dem jeweiligen Produkt sagen. Für den Kauf ist nur ein Mausklick notwendig und für 79 Dollar pro Jahr liefert Amazons jede Bestellung frei Haus. Die Datenbank des Unternehmens speichert Artikel, die erworben oder angesehen wurden und macht Vorschläge für andere Produkte, die den Interessen des jeweiligen Kunden entsprechen. Bezos nennt es das totale Einkaufserlebnis. Es hat Amazon in den USA für Internetshopper zur ersten Anlaufstelle gemacht.

Jüngst ist Amazon auch im rein digitalen Kommerz zunehmend aktiv, wenngleich bislang nicht mit durchschlagendem Erfolg. Der "Unbox"-Dienst zum Herunterladen von Filmen und TV-Shows hat ein breites Angebot, krankt aber an den oft zu langsamen Datenleitungen; das digitale Lesegerät "Kindle", auf das sich Kunden drahtlos ganze Romane oder Zeitungen und Zeitschriften herunterladen können, erntete gemischte Kritiken - vor allem wegen des relativ hohen Kaufpreises von 400 Dollar. Seit ein paar Tagen bietet Amazon nun auch Software zum herunterladen an, vorerst vor allem für die Bewältigung von Steuererklärungen für 2007.

Kindle zeigt, dass der Technofreak Bezos, der privat eine Fähre für Reisen ins All entwickeln lässt, keine Scheu hat, Millionen für technische Novitäten auszugeben. Auf den schnellen kaufmännischen Erfolg kommt es ihm dabei offenbar nicht an. Amazon ist ein Wert für Anleger mit Mut - und Geduld.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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