Inside: Anglo American
Mit der Tradition gebrochen

Südafrika und Anglo American verbindet seit fast 100 Jahren ein Beziehung der besonderen Art. Der 1917 auf den Johannesburger Goldfeldern gegründete Bergbaukonzern hat die Industrialisierung der Kaprepublik maßgeblich vorangetrieben. Dennoch wird kein anderes Unternehmen wegen seiner Apartheid-Vergangenheit von den neuen schwarzen Machthabern am Kap so argwöhnisch beobachtet. In den vergangenen Wochen hat das altehrwürdige Minenhaus radikal mit seiner Tradition gebrochen.

KAPSTADT. In den vergangenen Wochen hat das altehrwürdige Minenhaus radikal mit seiner Tradition gebrochen. Zunächst ernannte der Konzern, bislang ausschließlich unter der Leitung männlicher Südafrikaner mit Oxford-Ausbildung, zur allgemeinen Verblüffung die Amerikanerin Cynthia Carroll zur neuen Konzernchefin. Sie kommt noch dazu aus einer Rohstoffbranche, in der Anglo American bislang kaum präsent ist: Sie war bisher Präsidentin der Primary Metal Group des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan.

Ein zweiter Traditionsbruch erfolgte zu Monatsbeginn, als die Gründerfamilie Oppenheimer, die einst aus dem Hessischen nach Südafrika emigrierte, ein Drittel ihres verbliebenen Anteils an Anglo American für umgerechnet 630 Millionen Euro an den chinesischen Milliardär Larry Yung und dessen Unternehmen China Vision Resources veräußerte. Damit halten die Oppenheimers nur noch zwei Prozent an der von ihnen gegründeten Gruppe. Offenbar ist die Familie der Ansicht, in anderen Branchen künftig mehr Geld zu verdienen.

Ein Blick auf den Aktienkurs macht den Entschluss verständlicher. Seit Anglo American im Oktober 2005 eine grundlegende Restrukturierung ankündigte, ist der Aktienkurs um fast 80 Prozent gestiegen. Zudem grassieren Gerüchte über eine mögliche Übernahme des Unternehmens durch einen Konkurrenten. Zuletzt wurde dabei die neue russische Sual-Rusal-Gruppe ins Spiel gebracht.

Die Ernennung Carrolls lässt vermuten, dass Anglo American zur Zeit keine Verkaufsverhandlungen führt. Die 49-jährige Amerikanerin hätte ihren Topjob bei Alcan wohl kaum mit der Aussicht auf einen baldigen Eigentümerwechsel bei Anglo American aufgegeben. Offen bleibt, wie sie den Übergang von der Alcan Primary Metal Group mit 18 000 Angestellten zu einem Branchenschwergewicht mit 128 000 Mitarbeitern meistert.

Seite 1:

Mit der Tradition gebrochen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%