Inside: Areva
Kapitale Fragen

Verlorene Bietergefechte, Probleme in Fördergebieten, verschobene Bauzeitpläne: Für den staatlichen französischen Nuklear-Riesen Areva läuft es derzeit alles andere als rund. Zu all den operativen Schwierigkeiten gesellt sich die Unsicherheit über die künftige Kapitalstruktur des Unternehmens. Jetzt schlägt die Stunde von Frankreichs neuem Staatschef Nicolas Sarkozy .

PARIS. Kaum war die Schlappe im Bietergefecht um die deutsche Repower einigermaßen verdaut, tauchten neue Probleme im Uran-Fördergebiet Niger auf. Nun muss Areva 40 Prozent mehr für die Schürfrechte zahlen.

Kurz darauf teilte der finnische Stromversorger TVO mit, dass Areva ein viertes Mal den Zeitplan für den Neubau des Atomreaktors Olkiluoto III verschoben hat. Zu all diesen operativen Schwierigkeiten gesellt sich die Unsicherheit über die künftige Kapitalstruktur des Unternehmens.

Frankreichs neuer Staatschef Nicolas Sarkozy hat Großes mit Areva vor. Er will die Nuklear-Holding an den Mischkonzern seines Freundes Martin Bouygues heran führen. Dabei ist Sarkozy die 34prozentige Beteiligung von Siemens an der Areva-Tochter Areva NP, die auf den Kernkraftwerksbau spezialisiert ist, ein Dorn im Auge. Aus Sicht von Areva wäre es aber nicht sinnvoll, sondern eher kontraproduktiv, die Deutschen aus der Kraftwerkstochter auszukaufen.

Das würde für Areva sehr teuer. Das Unternehmen hat die Option, Ende 2011 die 34 Prozent von Siemens an Areva NP zurück zukaufen. Diese Option wird derzeit in der Bilanz von Areva mit 1,1 Milliarden Euro bewertet. Darüber hinaus braucht Areva das Knowhow von Siemens. Denn beide Unternehmen haben zum Beispiel neuen Reaktor-Typ EPR gemeinsam entwickelt. Das technische Wissen an deutschen Standorten wird Areva gut gebrauchen können, um im Wettbewerb um die künftigen Milliarden-Aufträge aus Indien oder China zu punkten.

Und trotz aller Bestechungsskandale bei Siemens hat das traditionsreiche deutsche Industrieunternehmen im Ausland immer noch einen guten Ruf. Selbst in Paris ist zu hören, dass Areva ohne den Partner Siemens womöglich nicht den Auftrag in Finnland bekommen hätte. Der finnische Meiler ist indes das erste Atomkraftwerk, das seit der Katastrophe von Tschernobyl in Westeuropa gebaut wird. Darüber hinaus entsteht in Finnland der erste Reaktor des Typs EPR und hat damit Referenzcharakter.

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