Inside Barilla
Ausverkauf?

Dass sich der italienische Nudelproduzent Barilla von dem deutschen Großbäcker Kamps, zumindest in Teilen, wieder trennen will, ist kein Geheimnis. Denn der Familienkonzern aus dem norditalienischen Parma hat sich mit der Übernahme von Europas größtem Backwarenkonzern für insgesamt 1,8 Milliarden Euro so richtig vergriffen.

DÜSSELDORF. Das war im Jahr 2002. Die Italiener, beseelt von dem Gedanken, künftig in der Champions League der Ernährungsindustrie mitzuspielen, hatten im Kaufrausch alle Vorsicht fahren lassen. Im Zuge einer zunächst als feindlich deklarierten Übernahme blieb ihnen vorab ein Blick in die Bücher des deutschen Unternehmensgründers Heiner Kamps mit Hilfe einer Due-Dilligence-Prüfung verwehrt.

Außerdem wurde der Kaufpreis offenbar von untreuen Managern ihrer Hausbank Banca Popolare, die sich durch Insidergeschäfte bereichern wollten, künstlich in die Höhe getrieben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall bereits seit mehreren Jahren. In dieser Zeit haben die Geschwister Barilla, Guido, Paolo, Luca und Emanuela, den Wert ihrer Beteiligung um insgesamt 850 Millionen Euro nach unten korrigieren müssen.

Auch das operative Ergebnis des Gesamtkonzerns litt gewaltig unter der Kamps-Übernahme. Bei einem Umsatz von 4,1 Milliarden Euro blieben zuletzt unterm Strich gerade noch magere 60 Millionen Euro übrig. Die für Kamps ständig notwendigen Restrukturierungsaufwendungen fraßen große Löcher ins Barilla-Budget. Selbst der krisengeschüttelte Molkereikonzern Parmalat gleich in der Barilla-Nachbarschaft kann inzwischen wieder einen satten Gewinn vorzeigen.

Deshalb übertrug "Presidente" Guido Barilla das operative Geschäft vor drei Jahren in die Hände des erfahrenen US-Konsumgütermanagers Bob Singer, der vormals bei Gucci und Abercrombie & Fitch in Diensten stand. Der heute 56-jährige Manager sollte auch aus Kamps noch das beste herausholen. Singer stellte unter anderem das Filialgeschäft von Kamps mit etwa 950 Läden und fünf Brotfabriken zur Disposition. Auf diesen Teil entfällt etwa ein Fünftel des Kamps-Jahresumsatzes von zuletzt knapp 1,2 Milliarden Euro. Doch der einzige ernsthafte Kaufinteressent, Unternehmensgründer Heiner Kamps höchstselbst, war bei den Barillas nicht mehrheitsfähig. "Dieses Etwas, was uns damals von Heiner Kamps verkauft wurde, war kein Unternehmen", hatte Guido Barilla zuvor geschäumt.

Pläne zum Verkauf der gesamten Beteiligung inklusive der Marke "Golden Toast" waren allerdings bisher kein Thema und wurden auch gestern von keinem der Beteiligten bestätigt. Doch selbst wenn jetzt eine Investmentbank mit der Käufersuche beauftragt ist, so ist die Trennung von Kamps noch längst nicht durch. Die Geschwister Barilla sind für ihre end- und manchmal ziemlich fruchtlosen Diskussionen über die Unternehmensstrategie bekannt. "Die reden viel und entscheiden wenig", beschrieb schon vor einiger Zeit ein hochrangiger Barilla-Manager die Gespräche im engeren Kreis der Eigentümerfamilie.

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