Inside: BASF
Auf der Suche nach Stabilität

Mehr als fünf Jahre lang agierte die BASF auf der M&A-Bühne nur ganz behutsam. Aus der Neuordnung der europäischen Spezialchemie etwa hat sich der Konzern weitgehend herausgehalten. Statt dessen beschränkte er sich auf einige kleineren Zukäufe, etwa in Pflanzenschutz und Feinchemie.

FRANKFURT. In anderen Sparten standen eher Desinvestitionen im Vordergrund, darunter der Verkauf des Kunststoff-Joint-Venture Basell oder der Ausstieg aus dem Druckfarbengeschäft. Doch zur Jahreswende 2006 hat sich das Bild drastisch gewandelt. Mit den beiden Übernahmevorhaben Degussa Bauchemie und Engelhard demonstriert der Ludwigshafener Konzern Bereitschaft, wieder deutlich größere Summen in das externe Wachstum zu investieren. Den ersten Teil des Doppelschlags hat Firmenchef Jürgen Hambrecht vor wenigen Tagen bereits unter Dach und Fach gebracht, indem er sich mit Degussa auf den Erwerb von deren Bauchemie-Sparte einigte. Auch im Fall Engelhard deutet vieles darauf, dass sich BASF mit der feindlichen Offerte durchsetzen wird. Eine Vorentscheidung dürfte schon in den nächsten Tagen Fallen.

Mit den beiden Zukäufen steuert BASF auf den bisher größten Expansionsschritt der Firmengeschichte zu. Wenn alles glatt geht, wird der Konzern sein Chemiegeschäft auf einen Schlag um mehr als fünf Milliarden Euro oder rund ein Sechstel erweitern. Erstmals seit vielen Jahren erwirbt er zudem wieder Arbeitsgebiete, in denen er bisher kaum oder gar nicht vertreten ist.

Stand bisher eher die Konzentration auf Kerngeschäfte im Vordergrund, wagt Hambrecht nun also erstmals wieder einen Versuch, das Portfolio des Chemieriesen zu verbreitern. Die enormen Ertragssteigerungen der vergangenen Jahre und eine weitgehend schuldenfreie Bilanz geben ihm dazu reichlich Rückhalt.

Gleichwohl ist der neue Expansionskurs aus Sicht der BASF-Aktionäre nicht ganz einfach zu bewerten. Denn zum einen bleibt daran zu erinnern, dass der Chemieriese in der Vergangenheit mit organischem Wachstum meist besser gefahren ist als mit Zukäufen und Diversifikation. Nicht umsonst gilt der Aus- und Aufbau der großen Verbundstandorte in Ludwigshafen, Antwerpen, Texas und China als einer der maßgeblichen Erfolgsfaktoren hinter dem Aufstieg der BASF. Demgegenüber bescherten viele Zukäufe, so etwa die großen US-Akquisitionen der achtziger Jahre, erheblichen Strukturaufwand. Auch beim Versuch, das eigene Chemiegeschäft näher an den Endkunden zu bringen, agierte BASF bislang nur mit durchwachsenem Erfolg.

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