Inside: Benetton
Keine Scheu vor Staatsfonds

Ausländische Staatsfonds waren bisher in Italien kein Thema. Schließlich ist die Wirtschaft dort bisher von der Subprime-Krise weitgehend verschont geblieben und daher nicht auf der Suche nach Rettern aus der Not. Umso überraschender kommt die Nachricht, dass die Benettons – eine der bekanntesten italienischen Familien – ihre Türen den umstrittenen Geldgebern öffnet.

Der Staatsfonds Government of Singapore Investment Corp (Gic) will insgesamt eine Milliarde Euro in Infrastruktur-Aktivitäten der norditalienischen Familie investieren. Zunächst werden die Asiaten für 150 Millionen Euro drei Prozent die Benetton-Firma Sintonia erwerben und später ihren Anteil im Zuge einer Kapitalerhöhung auf 14,3 Prozent erhöhen. Eine Milliarde Euro ist für den Staatsfonds nicht viel, der 100 Milliarden Dollar verwaltet und jüngst zehn Milliarden Dollar bei UBS und knapp sieben Milliarden Dollar bei Citigroup investiert hat. Für das Infrastruktur-Geschäft der Benettons ist es ein großer Brocken.

Schon seit Jahren haben die Benettons ihre Aktivitäten mit Unternehmen wie Autogrill und Atlantia-Autostrade in den Bereich der Infrastruktur und Gaststätten diversifiziert. Das ursprüngliche Geschäft mit Kleidung der Benetton- und Sisley-Ketten der Benetton Group macht heute mit zwei Milliarden Euro Umsatz nur noch ein Drittel des Umsatzes der Benetton-Aktivitäten aus. Erst vor 18 Monaten hat die Familie ihr Infrastruktur-Geschäft in die neue Holding unter dem Namen Sintonia ausgegliedert, zu der auch die in Luxemburg angesiedelte Sintonia SA gehört, die unter anderem das Autobahngeschäft kontrolliert. Mit dem Kapital der Asiaten hat Sintonia nun insgesamt zwei Milliarden Euro eingetrieben. Der Anteil der Familie liegt damit bei zwei Dritteln, knapp fünf Prozent hält die italienische Mediobanca und 14,3 Prozent der US-Fonds Goldman Sachs Infrastrucure Partners.

Sind die Italiener so sehr in Not, dass sie sich einen Staatsfonds ins Haus holen? Die Antwort ist nein. Die Familie hat ehrgeizige Expansionspläne und sieht den Investor aus Fernost als Kapitalgeber, aber vor allem als strategischen Partner, der den Zugang auf den asiatischen Markt erleichtern soll. Schließlich ist es erklärtes Ziel von Sintonia, das Geschäft mit gebührenpflichtigen Autobahnen, mit Flughäfen und mit Bahnhöfen weltweit auszubauen. Für Amerika haben sich die Benettons Goldman Sachs ins Boot geholt.

Nachdem der Zusammenschluss der italienischen Atlantia-Autostrade und der spanischen Abertis geplatzt ist, schaut Sintonia Richtung Asien, nach Osteuropa und in den Nahen Osten. In den kommenden Monaten will die Benetton-Familie weitere zwei Milliarden Euro von zwei bis drei Partnern beschaffen und den eigenen Anteil auf 50,1 Prozent verwässern. Dafür nehmen sie auch Staatsfonds, die im Gegensatz zu vielen Private-Equity-Fonds weniger auf die schnelle Rendite aus sind. Angesichts der anvisierten Regionen werden demnächst wohl Investoren aus Russland, Osteuropa und dem Nahen Osten auf den Plan treten. Auch dort gibt es Staatsfonds mit viel Geld.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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