Inside: BG Group
Inside: BG Group

Flüssiggas, englisch abgekürzt LNG, ist eine höchst lukrative Nische des globalen Energiemarktes. Per Schiff lässt es sich um die ganze Welt transportieren, vorzugsweise zu dem, der gerade am meisten zahlt. Mit LNG lassen sich Lücken schließen und Engpässe auflösen.

In Zeiten knapper Energie ist der LNG-Markt zum Verkäufermarkt geworden. Nicht umsonst werden auf allen Kontinenten Terminals zum Be- und Entladen von Flüssiggastankern gebaut.

Die BG Group hat früh auf den LNG-Trend gesetzt und ein mit einer Nettoumsatzrendite von 29 Prozent sehr profitables Geschäft über den Atlantik aufgebaut. Der britische Öl- und Gasförderer, dessen Heimat einst die Nordsee war, ist mit einem Marktanteil von jetzt 55 Prozent größter LNG-Lieferant der USA. Aus Trinidad und Ägypten stammt das Gas, das US-Kraftwerke befeuert.

Nun will der kleine Ölmulti das Kunststück im Pazifik wiederholen. Dort dürsten Japan, China und andere Länder nach Flüssiggas, und BG will sie aus Australien beliefern. Als erstes Unternehmen wollen die Briten Flüssiggas aus Kohlenflözgas produzieren, das in Australien reichlich im Boden steckt. Der Rohstoff ist chemisch identisch mit Erdgas. Pumpt man das Wasser aus den Flözen ab, dann entweicht auch das Gas - ein erprobtes Verfahren, das mit steigenden Preisen wirtschaftlich immer interessanter wird. Gemeinsam mit dem Kohlenflözgas-Produzenten Queensland Gas will BG für fast fünf Milliarden Euro eine Verflüssigungsanlage bauen.

Doch BG-Chef Frank Chapman denkt in großen Dimensionen: Nun hat er auch noch eine Kaufofferte für den Energiekonzern Origin vorgelegt, der Australiens größte Kohlenflözgas-Reserven besitzt. Das wären weitere 7,8 Milliarden Euro, für die BG auch noch den zweitgrößten Strom- und Gasversorger des Kontinents bekäme. Die Wertschöpfungskette nimmt Gestalt an: Von der Gasförderung über Kraftwerke bis zum Endkunden oder über die Verflüssigung in den Export.

Die Verhandlungen zwischen BG und Origin laufen, doch viele Analysten fragen sich, ob BG sich diesmal nicht übernimmt. Sicher, die Verschuldung des Konzerns ist bisher gering - es wäre verkraftbar, wenn sie von 1,2 auf zehn Milliarden Euro stiege. Doch woher will BG gleichzeitig das Geld nehmen, um die jüngst als Junior-Partner von Petrobras gefundenen riesigen Ölvorkommen vor der Küste Brasiliens zu bergen? Nun, vielleicht verkauft Chapman den Anteil an dem Mega-Projekt, so wie er es mit dem Anteil am Kashagan-Feld in Kasachstan getan hat.

Ansehnlich ist der Preis zweifellos, den BG für Origin bietet. Er entspricht einer Bewertung von gut dem Zehnfachen des operativen Ergebnisses (Ebitda). Er erhöht allerdings auch die Chance, sich rasch zu einigen. Ein längerer Übernahmekampf würde die Gefahr heraufbeschwören, dass sich einer der großen Ölmultis einmischt - und dann vermutlich eher mit einem Gebot für BG als für Origin. Das wäre zwar ein Happen für 60 Milliarden Euro, aber die hohen Ölpreise füllen ja die Kassen rasch wieder auf.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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