Inside: Bilfinger Berger
Sicherheit geht vor

Der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger will sich auf reife Märkte und rentable Projekte konzentrieren – zum Beispiel die teure Infrastruktur von Ölfeldern. Inzwischen denkt man sogar darüber nach, sich aus dem reinen Baugeschäft in den USA zurückzuziehen.

DÜSSELDORF. Was haben der Bau des Tunnels im schwedischen Malmö, einer knapp 40 Kilometer langen Autobahnstrecke durch den Granit an der norwegischen Südküste oder eines ganzen Stadtteils im Golfstaat Katar für rund eine Milliarde Euro gemeinsam? Bei allen drei Projekten legen die öffentlichen Auftraggeber in erster Linie Wert auf Qualität und nicht auf den günstigsten Angebotspreis.

Nach solchen Kunden lecken sich viele Industrieunternehmen die Finger. Der Baukonzern Bilfinger Berger späht solche Projekte sogar regelrecht aus. Denn die Mannheimer wollen sich auf reife Märkte und rentable Projekte konzentrieren. Schließlich hat Bilfinger-Chef Herbert Bodner die Pleiten von Philipp Holzmann und Walter Bau vor Augen, die über riskante Großaufträge gestolpert sind. Risikobegrenzung und Rentabilität haben in Mannheim Vorrang vor einem Wachstum um jeden Preis.

Gerade die Ölförderländer schwimmen bekanntlich im Geld. Da fällt der Ausbau der Infrastruktur schon einmal luxuriöser aus als anderswo. Dies macht es Baukonzernen mit besonderer Expertise im Ingenieurbau leichter, ihr Know-How auszuspielen und zusätzlich Mehrwert anzubieten. Über den Preis wird man sich dann schon einig. Wenn man Straßen, Tunnel oder Brücken, Schulen oder Krankenhäuser baut, kann man sie auch gleich betreiben. Und auch mit der Wartung von Gas- und Ölförderanlagen lässt sich Geld verdienen – am besten dort, wo es sicher fließt.

Etwa als Auftragnehmer des staatlichen Konzerns Statoil in Norwegen, wo Bilfinger in Hammerfest nördlich des Polarkreises die erste Gasverflüssigungsanlage Europas wartet. Ein guter und bekannter Name im Ingenieurbau hilft da als Türöffner. Der Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts gehört bei Bilfinger und dem Essener Konkurrenten Hochtief zur Strategie. Hier locken stabile Erträge und höhere Renditen als im reinen Baugeschäft.

Kein Wunder also, dass Bilfinger darüber nachdenkt, sich aus dem reinen Baugeschäft in den USA zurückzuziehen. Denn auf dem größten Baumarkt der Welt fehlt dem Konzern die kritische Größe. Mehr als drei Ingenieurbau-Projekte mit einem Volumen von 50 Millionen Euro konnte Bilfinger nicht an Land ziehen. Zwar wollte es Bodner dem Konkurrenten Hochtief gleichtun und aus dem US-Baugeschäft eine wichtige Säule des Mannheimer Konzerns formen. Doch ist dies nicht gelungen. Passende Zukaufmöglichkeiten ergaben sich nicht. Warum also weiter Kraft vergeuden?

Auch vor einem Einstieg in Schwellenländern wie Russland, Indien, China oder Brasilien schreckt Bilfinger noch zurück. „Wir lassen uns von der Euphorie der Konkurrenten nicht anstecken“, sagt Bodner. Sollen sich doch die anderen eine blutige Nase holen.

Bilfingers Vorsicht hat eine Geschichte: Denn mehrere Flops bei Mautprojekten in Deutschland, Australien und den USA drückten den Konzern in die roten Zahlen. Beim Herrentunnel in Lübeck und dem Cross City Tunnel in Sydney nutzten Autofahrer Umgehungsstrecken, um Maut zu sparen, so dass die Finanzierung ins Schleudern kam. Bilfinger schrieb die Projekte umgehend voll ab, hält sich seitdem bei Maut-Bauten zurück und prüft neue Projekte in der Verkehrsinfrastruktur kritischer als früher aus. Gleichzeitig aber macht sich Bodner auf Verbandsebene dafür stark. Das hat manchen Kollegen in der Branche irritiert. Sie erwarten von Bodner mehr Mut zum Risiko. Hochtief macht es vor. Der Essener Konzern hat jetzt den Cross City Tunnel übernommen.

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