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BMW: Keine erste Wahl

Eines ist klar: BMW wird auf Dauer nicht allein bestehen können. Das heißt nicht, dass der bayerische Autokonzern zwangsläufig mit einem anderen Hersteller fusionieren muss. Helfen können auch Kooperationen und Joint Ventures, wie es BMW jetzt bei seiner Konzerntochter Mini versucht.

DÜSSELDORF. Steigende Rohstoffkosten und immens hohe Ölpreise, die den Forschungsaufwand kräftig klettern lassen – das werden die Münchener auf längere Sicht nicht mehr alleine schaffen.

Aber muss es unbedingt eine Partnerschaft mit Fiat sein? Der italienische Konzern ist nicht gerade ein Garant für Zuverlässigkeit. Andere Konzerne wie etwa General Motors (GM) haben sich blutige Nasen in der Zusammenarbeit mit Fiat geholt und verzichten inzwischen gern auf gemeinsame Projekte mit den Italienern. Ende der 90er-Jahre hatte sich auch Daimler dem Fiat-Konzern angenähert – und lieber die Finger davon gelassen. Noch vor ein paar Jahren stand der Turiner Konzern am Abgrund, so schlecht liefen die Geschäfte zu Anfang des Jahrzehnts. So mancher wettete damals auf das Ende von Fiat.

So weit ist es dann doch nicht gekommen. Im Gegenteil: Fiat hat in den vergangenen fünf Jahren eine bemerkenswerte Aufholjagd geschafft. Dem Unternehmen geht es heute wieder vergleichsweise gut (2007: etwa 58 Milliarden Euro Umsatz), die Turiner verdienen wieder Geld, zuletzt 3,2 Milliarden Euro. Und BMW muss jetzt darauf hoffen, dass sich bei Fiat wirklich alles zum Besseren gewendet hat.

Genau das ist die entscheidende Frage, auf die niemand eine Antwort hat. Fiat hat die Wende zwar geschafft. Doch ist es Konzernchef Sergio Marchionne dauerhaft gelungen, Fiat wieder zu einem gesunden Unternehmen zu machen?

Der sich langsam abzeichnende Konjunkturabschwung wird der große Lakmus-Test, ob sich BMW den richtigen Partner ausgewählt hat. Einen ersten Hinweis, dass Fiat doch wieder in das alte Fahrwasser gleiten könnte, gab es zu Beginn dieser Woche. Der Konzern wird im Spätsommer vier Werke in Italien wegen der schlechten Auftragslage für mehrere Wochen schließen – kein Zeichen von Zuverlässigkeit und Stabilität.

BMW (Umsatz 2007: 56 Milliarden Euro) hat zumindest noch einen Vorteil auf seiner Seite: Die Münchener streben zunächst nur eine Kooperation zwischen der eigenen Tochter Mini und der Fiat-Marke Alfa Romeo an. Dadurch lässt der Münchener Konzern seinen neuen Partner aus Italien nur an einen Randbereich heran. Der Kern – die Konzernmarke BMW – bleibt außen vor.

Beim Mini zählen vor allem das Äußere und die Form. Auf das Innenleben und die Technik kommt es nicht so sehr an wie bei einem BMW. Deshalb würde ein Scheitern der Kooperation mit Fiat nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.

Die Münchener müssen sich sehr genau überlegen, ob eines Tages auch in einem großen BMW Bauteile des italienischen Partners verwendet werden. So mancher Stammkunde der Bayern würde das sicherlich nicht verstehen.

menzel@handelsblatt.com

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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