Inside: BMW
Schmaler Zieleinlauf

Am Wochenende präsentiert der bayerische Autohersteller sein neues Flaggschiff, den runderneuerten Siebener. Mit ihm will man Selbstbewusstsein demonstrieren, der Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt die Zähne zeigen. Doch der Glanz des Auftritts kann nicht über das Hauptproblem der Münchener hinwegtäuschen.

MÜNCHEN. Im Hause BMW steht großes bevor: Am Wochenende präsentiert der bayerische Autohersteller sein neues Flaggschiff. Der runderneuerte Siebener soll Selbstbewusstsein demonstrieren, der Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt die Zähne zeigen. Doch der Glanz des Auftritts kann nicht über das Hauptproblem der Münchener hinwegtäuschen: BMW fliegen die Kosten um die Ohren.

Seit Beginn des Jahres versucht Konzernchef Norbert Reithofer, den erfolgverwöhnten Autokonzern auf Line zu bekommen. Das Sparprogramm „Number One“ soll BMW bei den Renditen an die Spitze der Branche zurückbringen. Gerade einmal fünf Prozent erwirtschafteten die Münchener zuletzt, Audi und Mercedes sind weit enteilt. Jetzt will Reithofer bis 2012 sechs Milliarden Euro sparen. BMW will günstiger entwickeln und billiger einkaufen. Im Ergebnis sollen die Renditen wieder kräftig steigen.

Doch das wird immer schwieriger. Denn die Rahmenbedingungen ändern sich zu Ungunsten von BMW fast täglich. Da ist der hohe Ölpreis, der weltweit auf die Autokonjunktur drückt. BMW bietet zwar – anders als die Konkurrenten – in allen Modellen serienmäßig Spritspartechniken, doch die Zusatzausstattung zahlt der Konzern, nicht der Kunde. „Efficient Dynamics“ ist gut fürs Image, vielleicht sogar für die Umwelt, aber nicht für die BMW-Rendite.

Die schwelende Finanzkrise in den USA frisst sich weiter auf dem wichtigsten BMW-Einzelmarkt durch. Mit massiven Rabatten versuchen die Bayern, den Absatz zu halten, doch im ersten Quartal brachen die US-Verkäufe um zehn Prozent ein. Schlimmer noch ist der Verfall der Gebrauchtwagenpreise. Nur als Risikovorsorge stellten die Münchener im ersten Quartal 236 Millionen Euro für nicht gedeckte Restwerte zurück. Wenigstens hier zahlt sich der schwache Dollar für BMW aus.

Die Masse der Einsparungen soll der Materialeinkauf liefern. Viele Zulieferer haben ihre Entwicklungen für BMW genutzt, um anschließend gute Geschäfte mit Massenherstellern zu machen. Herbert Diess, der neue BMW-Einkaufsvorstand, tourt seit Wochen durch die Zulieferbranche mit der gleichen Botschaft: Die spendierfreudigen Zeiten sind vorbei.

Doch die Lieferanten haben ganz andere Vorstellungen. So wie der Nürnberger Kabelspezialist Leoni verweisen sie auf Preisgleitklauseln, die es ihnen ermöglichen, die gestiegenen Kosten beispielsweise für Kupfer weiterzureichen an BMW. Die mächtigen Stahlkonzerne wollen ebenfalls die Preise erhöhen, das kann BMW schnell einige hundert Millionen Euro kosten. Ein hartes Ringen zeichnet sich ab. Anders als die VW-Tochter Audi hat BMW aber keinen Massenhersteller im Rücken, der die Verhandlungsmacht nachhaltig stärken könnte.

Anfang August wird BMW mit dem Halbjahresbericht die Karten auf den Tisch legen. Noch steht Reithofers Aussage, ein Ergebnis über Vorjahr erreichen zu wollen. Der Korridor für den Zieleinlauf ist verdammt schmal geworden.

fasse@handelsblatt.com

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