Inside: BMW
Undankbar, aber machbar

Im Geschäftsleben ist es bisweilen wie auf dem Jahrmarkt: Wer die schwebende Jungfrau gesehen hat, der kann soliden Artistenvorführungen nur noch wenig abgewinnen. Das ist auch das Dilemma gut geführter Unternehmen. Publikum, Kunden und Aktionäre erwarten Spitzenleistungen, auch wenn sie kaum noch zu wiederholen sind.

MÜNCHEN. Der BMW-Konzern steckt in einem solchen Dilemma. Zum fünften mal in Folge meldet der Münchener Autohersteller einen Rekordabsatz, einen Rekordumsatz und natürlich einen Rekordgewinn. Erneut hat BMW seinen selbst verliehenen Titel „erfolgreichster Premiumhersteller der Welt“ verteidigt. BMW gehört zu den Top Ten der globalen Wirtschaftswelt, hat das US-Wirtschaftsmagazin „Fortune“ in einer Umfrage ermittelt. Das hat bisher noch kein deutsches Unternehmen geschafft.

Dabei ist es keine zehn Jahre her, da galt BMW nach dem Rover-Desaster als Übernahmekandidat. Seitdem hat der Konzern vieles richtig gemacht: Aus den Rover-Trümmern haben sich die Münchener die Perle Mini gesichert und ein Auto geschaffen, das keiner braucht, aber jeder haben will. Mit dem Einser ist BMW ohne viel Aufwand in die Kompaktklasse eingedrungen. BMW baut Geländewagen für die Straße, der X3 und der X5 verkaufen sich besonders gut, weil sie verkappte Sportwagen sind. Die Autos rollen aus Fabriken, die in der Branche der Gradmesser für effiziente Fertigung sind. Auch deshalb hat Aufsichtsratschef Joachim Milberg den Produktionexperten Norbert Reithofer im vergangenen Jahr zum neuen Konzernchef gemacht.

Reithofer weiß um die hohen Ansprüche, die sich um BMW aufgebaut haben. Kaum sind die guten Zahlen auf dem Markt, schon geht der Aktienkurs runter. Der BMW-Chef agiert vorsichtig. Er verspricht ein neues Rekordjahr, vermeidet aber eine exakte Ergebnisprognose. Angesichts der Klimadiskussion spricht er von einer „grundlegenden Trendwende“ für die Branche, im Kern meint er aber das eigene Haus. Denn nicht nur wegen der Hubraumdebatte wachsen die Risiken für BMW.

Da ist die sinkende Umsatzrendite. Rohstoffpreise und Währungseffekte belasten das Ergebnis. Der neue Fertigungschef Frank-Peter Arendt will die Produktivität 2007 um zehn Prozent steigern, angesichts der ohnehin straff durchrationalisierten Fertigung ein bemerkenswertes Ziel.

Der Fluss aus der Modellpipeline versiegt. Die Neuauflagen der wichtigsten Baureihen Fünfer und Dreier sind auf dem Markt; jetzt geht es nur noch um das Besetzen von Marktnischen. So schickt BMW ein „raumfunktionales Konzept“ 2008 auf den Markt – eine im Konzern nicht unumstrittene Großraumlimousine. Es folgt ein sportlicher Gelände-Crossover. Aus kleinen Stückzahlen Geld zu machen, grenzt in der Autoindustrie schon an Alchemie.

Unbehagen bereitet auch die Konkurrenz. In diesen Tagen rollt die Neuauflage der Mercedes C-Klasse auf den Markt. Der Erzkonkurrent aus Stuttgart hat seine Krise überwunden und könnte BMW in diesem Jahr wieder überholen. Selbstbewusst greift auch die VW-Tochter Audi nach der BMW-Klientel, die Ingolstädter haben sich für Mitte des kommenden Jahrzehnts die Marktführerschaft auf die Fahne geschrieben. Davon sind sie zwar noch weit weg, aber in der neuen Allianz mit dem VW-Großaktionär Porsche wächst der Druck.

Das wird eben die Kunst für Reithofer: Alle künftigen Erfolge können das Erreichte eigentlich nur noch absichern. Das ist undankbar, aber machbar. Es gibt Vorstandschefs in Deutschland, die hätten gerne solche Probleme.

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