Inside: Boeing
Gerüstet für den Dreamliner

Im Mai 2008 soll der erste „Dreamliner“, die Boing 787, an die japanische ANA geliefert werden. Doch der als Befreiungsschlag gefeierte neuartige Flugzeugtyp könnte teuer als erwartet werden, denn der Termin für den Erstflug der 787 wurde von Ende August auf November verschoben – doch auch dieser Termin ist mit einem Fragezeichen versehen.

PORTLAND. Mike Bair, Boeings Top-Manager für die 787, dürfte sich manchmal vorkommen wie Alfred Wunsiedel. In Heinrich Bölls Kurzgeschichte schärft der fiktive Wurstfabrikant seinen Angestellten ständig ein: „Es muss etwas geschehen!“ Und die sagen pflichtschuldig: „Es wird etwas geschehen.“ Trotz aller Hindernisse bei der Entwicklung eines neuartigen Flugzeugtyps mit einer noch nie gewagten internationalen Streuung der Zulieferer pocht Bair bislang unerschütterlich auf Terminpläne ohne ernsthaften Widerspruch.

Ob er indessen, wie oft beschworen, im Mai kommenden Jahres den ersten „Dreamliner“ an die japanische ANA übergeben kann, ist nicht mehr so sicher, denn der Termin für den Erstflug der 787 wurde von Ende August auf November verschoben – und das mit Fragezeichen. Das verkürzt den bereits ehrgeizigen Zeitplan für die Flugerprobung bedenklich. Offenbar will Boeing an Terminvorgaben festhalten, auch wenn sie unrealistisch werden, um alle Beteiligten unter Druck zu halten. Das ist allerdings auch ein Spiel mit der Glaubwürdigkeit.

Die glühende Fixierung auf die Terminpläne für die 787 hat verschiedene Gründe. Als sich Boeing für den Jet entschied, war der Konzern durch eine Skandalserie in seinem Rüstungszweig schwer angeschlagen. Das Top-Management wechselte mehrfach, Erzrivale Airbus hatte Boeing überholt und die Aktie war 2003 für 25 Dollar zu haben. Boeing sah die 787 mit ihrem neuen Geschäftsmodell (über den Globus verteilte Zulieferer übernehmen Teile der Entwicklungskosten und damit des Risikos) und neuer Technologie (die weitgehende Verwendung von Verbundwerkstoffen, neues Tragflächendesign und neue Triebwerke sollen den Treibstoffverbrauch um ein Fünftel, die Betriebskosten insgesamt um 30 Prozent senken) als Befreiungsschlag und sollte damit Recht behalten.

Mit der jüngsten Order von British Airways wurden mittlerweile über 700 Dreamliner im Werte von fast 120 Mrd. Dollar bestellt, und im dritten Quartal überrundete Boeing bei Neuaufträgen wieder Airbus. Abgesehen davon, dass Verzögerungen bei der Lieferung von Flugzeugen teuer werden, würde sich Mike Bair mit der Einhaltung aller Termine für die Nachfolge von Scott Carson empfehlen, dem Chef von Boeings Zivilfluggeschäft, der kurz vor der Pensionierung steht.

Das Datum für die Vorstellung der ersten 787, sinnigerweise der 8. Juli 2007 (nach US-Schreibweise 7-8-07) schaffte Bair noch mit Hängen und Würgen, wobei der gefeierte Wundervogel kaum mehr als eine schöne Schale ohne flugtechnische Innereien war. Wegen der Lieferengpässe bei hochwertigen Schrauben und Nieten wurden einzelne Sektionen der 787 provisorisch zusammen gehalten. Die Frage ist, welchen Aufwand der Konzern treiben will, um den Zeitverlust bis zum Erstflug zu kompensieren? Bereits die Durchpeitschung des Terminplans bis zur Vorstellung der ersten 787 kostete Boeing mehrere hundert Millionen Dollar zusätzlich für den Einsatz von Ingenieuren und Technikern, die um die Welt jetten, um Probleme bei den Zulieferern auszubügeln.

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