Inside: Boeing
Kaum Wolken am Himmel

Alle reden von Finanzkrise, Konjunkturabschwung und mieser Haushaltslage in den USA. Boeing nicht. Der führende US-Luftfahrt- und Rüstungskonzern hat zwar ein paar Sorgen. Aber die Auftragsbücher sind voll und die Gewinnmargen so hoch wie lange nicht mehr.

PORTLAND. Im Gegensatz zu den anderen US-Rüstungsschmieden, die erste Zeichen für ein Ende der fetten Jahre an der Wand sehen, macht sich für Boeing die Diversifizierung bezahlt. Trotz der Probleme mit der neuen Jetgeneration 787 spielt der zivile Flugzeugbau im Konzern wieder die erste Geige. Er trägt inzwischen mehr als die Hälfte zum Umsatz bei.

Die Lösung der Anlaufprobleme bei der 787 dürfte die Gewichte weiter zugunsten des Zivilgeschäftes verschieben. Denn der jetzt vorgelegte Bundeshaushalt der Regierung Bush für das am 1. Oktober beginnende Fiskaljahr 2009 sieht zwar weitere großzügige Zulagen für das Pentagon vor, hat jedoch nach Ansicht politischer Beobachter wenig Chancen, in dieser Form verabschiedet zu werden.

Die revolutionäre 787 ist weiter Boeings größtes Sorgenkind - wenngleich der Konzern jetzt erneut bekräftigte, dass der gegenwärtige Zeitplan - der gegenüber dem ursprünglichen um ein Jahr gestreckt wurde - eingehalten wird. Im Oktober löste Boeing den bisherigen Projektleiter ab und versetzte mittlerweile zwei weitere hochrangige Manager aus dem Rüstungsbereich in das 787-Team. Mit fast 900 Bestellungen ist die 787 auf Jahre hinaus ausverkauft.

Von den Tiefen des Jahres 2003 im Gefolge interner Skandale und der Luftfahrtkrise nach den Terroranschlägen vom 11. September hat sich Boeing nachhaltig erholt. Im Vergleich zu damals wuchsen die Erlöse im vergangenen Jahr auf 66,4 Milliarden von 50,5 Milliarden Dollar, der Reingewinn vervielfachte sich von 718 Millionen auf 4,1 Milliarden Dollar. Insgesamt beschäftigt Boeing heute noch rund 160 000 Personen, gegenüber fast 240 000 vor zehn Jahren.

Der Produktivitätszuwachs lässt sich an den Gewinnerwartungen ablesen: In diesem Jahr rechnet Boeing mit einem Gewinnwachstum von bis zu zehn Prozent, obwohl das Management das erwartete Umsatzplus wegen der Verzögerungen bei der 787 auf fünf Prozent zurückgeschraubt hat.

Wolkenlos ist der Himmel über dem Konzern gleichwohl nicht. Die Zweifel am neuen Zeitplan für die 787 bleiben und im September, wenn die Produktion des neuen Jets voll anlaufen soll, stehen Tarifverhandlungen mit den Mechanikern an. Bei der letzten Tarifrunde 2005 kam es zu einem dreiwöchigen Streik, der den Konzern 70 Millionen Dollar pro Tag kostete, heißt es.

Die allgemein erwartete Kürzung der US-Militärausgaben unter einer neuen Regierung im kommenden Jahr will Boeing mit höheren Waffenexporten auffangen. Überdies kämpft das Unternehmen hart um einen Milliardenauftrag der US-Luftwaffe zur Erneuerung der überalterten Lufttanker-Flotte. Das Pentagon schiebt die Auftragserteilung indessen immer weiter hinaus und im Haushaltsentwurf 2009 ist dafür kein Geld vorgesehen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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