Inside: Bosch
Moden nicht gefragt

Ginge es überall auf der Welt nach der Philosophie angelsächsischer Investment-Banker, dann dürfte es den Bosch-Konzern in der heutigen Form nicht mehr geben: Zu breit aufgestellt ist er, nicht börsennotiert, der Shareholder Value irrelevant. Und kein Unternehmen vergleichbarer Größe gab sich über lange Zeit verschlossener.

STUTTGART. „Es ist mir ein Herzensbedürfnis, dass die Robert Bosch GmbH für eine möglichst lange Reihe von Geschlechtern in ihrem Bestand gesichert bleibt und ihre finanzielle Unabhängigkeit, ihre Selbständigkeit und Aktionsfähigkeit jederzeit wahren kann“, verfügte Robert Bosch in seinem Testament 1938. Bereits damals hatte er wohl Bedenken. Sonst hätte er seinen Nachkommen dies nicht ins Stammbuch geschrieben.

Die Erben trugen seinem Wunsch auch formal Rechnung und überführten das Unternehmen 1964 in Stiftungsbesitz. Damit errichteten sie eine uneinnehmbare Festung gegen Übernahmen. Inhaltlich wurden Robert Bosch drei Wünsche von seinen nur fünf Nachfolgern an der Konzernspitze stets befolgt – mit Erfolg. Bosch ist mit heute 250 000 Beschäftigten und 42 Milliarden Euro Umsatz weltgrößter Automobilzulieferer und ein namhafter Anbieter von Gebrauchsgütern.

Wie steht es heute um die drei Kriterien? Der Konzern ist zweifellos finanziell unabhängig. Die Ratingagenturen bewerten ihn mit AA-, obwohl er nicht börsennotiert und deshalb nur bedingt transparent ist. Kein deutscher Autohersteller hat diese Bonität. Selbstständigkeit hat sich Bosch nicht nur durch die Stiftungskonstruktion bewahrt, sondern ebenso durch die Fähigkeit zur Innovation. ABS, ESP oder Dieseldirekteinspritzung und ihre weltweite Vermarktung zeigen die Stärke des Konzerns. Lange ehe das Schlagwort Globalisierung in Mode kam, war Bosch weltweit präsent. Nie band sich der Konzern zu eng an einen Autohersteller wie die derzeit schwer angeschlagene US-Konkurrenz.

Aktionsfähigkeit beweist Bosch mit dem Versuch, die heute noch 60prozentige Abhängigkeit von der Autoindustrie zu reduzieren. Während alle Welt der Konzentration aufs Kerngeschäft huldigt, ignoriert der Konzern solche Moden und forciert unbeschwert, aber gezielt die Diversifikation in die Bereiche Industrietechnik mit Verpackungsmaschinen und Industriehydraulik sowie Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik. Treiber ist immer die Innovation.

Während zum Beispiel alle Welt den Preiskrieg bei Elektrowerkzeugen beklagt, landet Bosch mit einem besonders handlichen und starken Akku-Schrauber einen einzigartigen Verkaufserfolg. Aktionsfähigkeit heißt für die Schwaben aber auch, sich fast 20 Jahre Zeit und Geld für die Entwicklung der Dieseldirekteinspritzung zu nehmen. Alles passt für Bosch unter einen Hut, so lange sich die Kernkompetenz „Steuern, Messen und Regeln mehrt.

Aber auch das techniklastige Unternehmen kann den Zeitgeist nicht ignorieren. Die Stuttgarter müssen heute schneller und besser verkaufen. Und sie müssen sich Know-how oder Märkte durch Übernahmen sichern. Dabei hilft es natürlich, wenn sich Bosch wie unter dem jetzigen Chef Franz Fehrenbach, sichtbar öffnet und nach innen wie außen transparenter wird. Bosch bewegt sich traditionell nicht schnell, aber dafür nachhaltig. Wehe der Konkurrenz, wenn der oft als schlafender Riese verhöhnte Konzern seine Schlagzahl erhöht - sei es bei Übernahmen oder der Erschließung neuer Märkte.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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