Inside: Bosch-Siemens Hausgeräte
An langer Leine

Unter der Flagge „Finanzbeteiligung“ großer Konzerne zu segeln, kann eine feine Sache sein. Die Renditevorgaben der Mutter gelten nicht. Auch die lästige Pflicht der Quartalsberichterstattung entfällt, das Management kann sich ganz auf das operative Geschäft konzentrieren. Am Ende des Jahres erwartet die Mutter einfach nur schwarze Zahlen, dann sind alle glücklich.

HB MÜNCHEN. Die Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) ist eine Finanzbeteiligung des Siemens-Konzerns. 1967 als Joint Venture mit Bosch gegründet, arbeitet das Unternehmen weitgehend unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Finanzmärkte. Und während Siemens seine Kernbereiche derzeit gnadenlos auf Mindestrenditen trimmt, bleibt BSH-Chef Kurt-Ludwig-Gutberlet von solchen Forderungen verschont. Schließlich erzielt er seit Jahren solide Gewinne für seine beiden Eigentümer – und das ist im Geschäft mit Hausgeräten längst nicht selbstverständlich.

Die BSH ist ein wahres Schwergewicht in der deutschen Industrielandschaft. 34 000 Mitarbeiter erwirtschaften mit Wasch- und Spülmaschinen, Elektroherden und Infrarottoastern weltweit einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro. Rückgrat der Produktion sind nach wie vor die deutschen Werke, in denen mehr als 14 000 Menschen arbeiten, drei Viertel der Produktion gehen in den Export. In Europa ist die BSH die Nummer eins, weltweit sieht man sich hinter Electrolux aus Schweden und Whirlpool aus den USA an Nummer drei. Siemens, Bosch, Neff oder Gaggenau sind attraktive Marken.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Mutterkonzern Siemens erst in diesem Jahr enttäuscht aus dem Konsumentengeschäft ausgestiegen ist. Ausgerechnet im Wachstumsmarkt Handys hat der Weltkonzern jahrelang konsequent am Markt vorbeiproduziert. Mit dem Tempo der Konkurrenz und den schnell wechselnden Geschmäckern der Kunden kam der Konzern nicht zurecht. Am Ende wurde die Handy-Sparte an die taiwanesische Konkurrenz praktisch verschenkt. Der Imageschaden wirkt noch lange nach.

Auch die BSH kämpft auf einem globalisierten Markt um Endkunden. Doch deutsche Technik ist gefragt, der Auslandsanteil am Umsatz wächst. In China und Thailand produziert das Unternehmen Waschmaschinen und Kühlschränke für den schnell wachsenden Markt. Und in den USA hat die BSH 2004 für 200 Millionen Euro ein neues Werk eröffnet.

Ausgerechnet in Deutschland kommt das Geschäft unter Druck. Discounter bieten Waschmaschinen aus koreanischer oder türkischer Produktion für unter 300 Euro im Weihnachtsgeschäft, die etablierten Anbieter zahlen drauf, um im Geschäft zu bleiben.

Der börsennotierte Konkurrent Electrolux will in diesen Tagen sein AEG-Waschmaschinenwerk in Nürnberg schließen. Auch die BSH plant, ihre Produktion von Berlin ins brandenburgische Nauen zu verlagern. Dort könnte man auf polnischem Lohnniveau produzieren, ein paar hundert Arbeitsplätze wären weg. Anders als Electrolux steht die BSH aber nicht mehr dauernd in den Schlagzeilen, Quartalsberichte und Investorenkonferenzen entfallen. Und anders als bei der Joint-Venture-Mutter Siemens gehen Produktionsverlagerungen relativ geräuschlos über die Bühne.

Die BSH-Manager haben es geschafft, ihre Produkte und Marken im weltweiten Wettbewerb zu etablieren. Das hat eben auch damit zu tun, dass die BSH nicht an der Börse ist. Gutberlet und sein Team können eigenständig planen. Sie bleiben an der langen Leine, solange die BSH Gewinn macht, Zielmargen spielen praktisch keine Rolle. Dabei kann sich das Ergebnis sehen lassen. Im vergangenen Jahr waren es 360 Millionen Euro.

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