Inside: Bosch
Zeit zum Shoppen

„Technik fürs Leben“ ist der Leitspruch von Bosch. Darunter summiert der weltgrößte Autozulieferer mit 46,3 Mrd. Euro Umsatz auch Industriegüter, Boiler, Bohrmaschinen und Kühlschränke. Rund sechs Prozent Wachstum schafft der schwäbische Riese jährlich, Rohstoffpreise hin, Dollarkurs her. Der einzelne Wert mag gar nicht so spektakulär sein, die Wucht kommt aus der Kontinuität.

STUTTGART. 20 Mrd. Euro Umsatz und 80 000 Beschäftigte kamen in den vergangenen zehn Jahren hinzu. Gleichzeitig vervierfachte sich das Ergebnis auf 3,8 Mrd. Euro. Das entspricht einer operativen Rendite von 6,8 Prozent. Wie ein Eisbrecher, langsam aber mit unheimlicher Kraft und Technik, bahnt Bosch seinen Weg durch konjunkturelle Widrigkeiten. Abschreibungen über 200 Mill. Euro für die eingestellte Dieseltechnologie Pumpe-Düse verdrängt der Koloss wie eine lästige Eisscholle.

Das Resultat der Vorwärtsbewegung ist die Steigerung des Cash-Flow um elf Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. 2,8 Mrd. Euro haben die Stuttgarter in der Kasse. Insgesamt verfügt Bosch über Finanzmittel von zwölf Mrd. Euro. Das ist mehr als der Konkurrent Continental für die Übernahme von VDO an Siemens zahlte. Bosch hätte sich für so einen Megadeal nicht einmal verschulden müssen. Während den Konkurrenten jetzt ein schwere Zinslast drückt.

Den schwachen Dollar und Yen nutzt Bosch zum Shoppen. Massiv wird derzeit Japan als Brückenkopf für Asien ausgebaut. Die Boomregion kompensiert schon jetzt die Probleme auf dem größten Auslandsmarkt USA. Die japanische Tochter wird für 600 Mill. Euro gerade von der Börse genommen. Kurzatmige Quartalsberichterstattung ist halt nichts für die Chefs von der Stuttgarter Schillerhöhe.

Hauptaugenmerk der Schwaben liegt auf den Schlüsseltechnologien für das Hybrid- und Elektroauto. Bei der Batterietechnik fehlt Bosch chemische Kompetenz. Wahrscheinlich werden die Stuttgarter ein Gemeinschaftsunternehmen für die Batterien der nächsten Generation gründen. Auch darin sind sie Spezialisten. Seit Jahrzehnten werden mit Siemens Hausgeräte zusammengeschraubt. Mit ZF baut Bosch Lenksysteme und künftig soll der Markt für Turbolader mit Mahle aufgerollt werden. Auch wenn mal etwas mit einer Eigenentwicklung schief geht, wie beim Dieselpartikelfilter, dann behilft sich Bosch notfalls mit einem Joint Venture – in diesem Fall mit Denso.

Mit Hochspannung wartet die Branche darauf, auf welche der Technologien für die Perfektionierung von Lithium-Ionen-Batterien die Stuttgarter setzen werden. Denn eines haben die vergangenen Jahre gezeigt. Bosch kann eigentlich nur sich selbst schlagen. Allzu gründliche Suche nach der technisch besten Lösung gepaart mit zähen internen Abstimmungsprozessen kann mitunter schon mal von den Entwicklungen am Markt überrollt werden – wie eben beim Dieselpartikelfilter. In der Batteriefrage ist Bosch zum Siegen verdammt. Es geht um die Zukunft des Autos und den Führungsanspruch von Bosch. Die volle Kasse hilft.

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