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Bouygues: Noch ein Standbein

In der vergangenen Woche hat ein familiengeführte Misch-Konzern nicht mit einem Bauwerk, sondern mit einem Börsencoup Schlagzeilen gemacht: Bouygues will für zwei Milliarden Euro den 21-prozentigen Staatsanteil an Frankreichs Transport- und Energietechnik-Konzern Alstom kaufen.

PARIS. Bauwerke wie den Kanaltunnel, das Stade de France bei Paris oder das Musée d'Orsay in Frankreichs Hauptstadt kennt jeder. Nur wenigen ist indes der Konzern ein Begriff, der all diese technischen Meisterwerke realisiert hat: die Gruppe Bouygues. In der vergangenen Woche hat der familiengeführte Misch-Konzern nicht mit einem Bauwerk, sondern mit einem Börsencoup Schlagzeilen gemacht: Bouygues will für zwei Milliarden Euro den 21-prozentigen Staatsanteil an Frankreichs Transport- und Energietechnik-Konzern Alstom kaufen.

Auch in Deutschland sollte man sich den Namen Bouygues einprägen. Der Einstieg bei Alstom dürfte erst der Anfang dazu sein, dem eigenartigen Mischkonzern mit der Energietechnik ein weiteres Standbein zu verschaffen. Und auf dem Weg in den Energiesektor könnte Bouygues auf den einen oder anderen deutschen Konzern wie Siemens stoßen.

Die Struktur der Gruppe Bouygues wirkt auf den ersten Blick herrlich anachronistisch und scheint jeder Börsenlogik zu widersprechen. Denn statt sich – wie heute üblich – auf ein Metier zu konzentrieren, betreibt Bouygues schon bisher derer vier: Den Bau anspruchsvoller Objekte (siehe oben), den Betrieb von Autobahnen, Frankreichs wichtigsten Fernseh-Sender TF1, der der Gruppe zum größten Teil gehört, und mit Bouygues Télécom noch das Mobilfunkgeschäft, wenn auch nur als nationale Nummer drei.

Dem Konglomerats-Vorwurf entgegnet Großaktionär und Firmenpatron Martin Bouygues stets damit, dass er einen „unternehmerischen Managementansatz“ pflege. Soll heißen: Der reichlich sprudelnde Cash Flow der reifen Kernaktivitäten wird in neue Wachstumsfelder investiert. 1987 schlug die Gruppe bei der Privatisierung von TF1 zu, 1996 ging die hauseigene Mobilfunk-Tochter aufs Netz. Nun greift Bouygues nach Alstom, also nach dem Wachstumsmarkt Energietechnik.

Anders als Bruchpiloten wie Jürgen Schrempp setzt Martin Bouygues für seine Visionen stets auch eigenes Geld aufs Spiel. Das macht vorsichtig – beim Milliarden-Abenteuer UMTS Anfang des Jahrtausends blendete er sich weise aus.

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