Inside: BP
Auf Russland angewiesen

BP wird wohl die Mehrheit am sibirischen Gasfeldes Kowytka verlieren. Spekuliert wird, ob das der Anfang vom Ende ist: Ob Gazprom auf Geheiß des Kremls auf die Mehrheit am russischen Joint Venture TNK-BP zielt. BP schaut deshalb auch in riskante Länder, zuletzt Libyen.

LONDON. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zwar hat die russische Lizenzbehörde ihre Entscheidung über die Zukunft des riesigen sibirischen Gasfeldes Kowytka am Freitag noch einmal um ein bis zwei Wochen vertagt, aber das Ergebnis dürfte klar sein: BP wird die Mehrheit an dem Feld verlieren. Der Aufschub dient dazu, mehr Zeit für eine Einigung mit Gazprom zu gewinnen. Der eng mit dem Staat verbundene Energieriese wird voraussichtlich künftig auch dort das Sagen bekommen.

Analysten spielen das Geschehen herunter – die Produktion von Kowytka sei für den Ölmulti BP vernachlässigbar. Doch die Gefahr bleibt, dass dies der Einstieg in die große Lösung ist, nämlich die Übernahme der Mehrheit am russischen Joint Venture TNK-BP durch Gazprom. Die Strategie der Regierung von Wladimir Putin, Schlüsselindustrien unter staatlicher Regie zu konsolidieren, spricht dafür. Der Regierungschef hat zuletzt den Ton gegenüber den Briten deutlich verschärft.

An TNK-BP halten der britische Konzern und russische Investoren je die Hälfte. Das Unternehmen ist einer der zehn größten privaten Ölkonzerne der Welt. Für 2006 hat es gerade erstmals eine Bilanz nach US-GAAP-Standard vorgelegt. Sie zeigt, dass TNK-BP netto 22,2 Mrd. Dollar umgesetzt hat. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichte 10,2 Mrd. Dollar, der Reingewinn stolze 6,4 Mrd. Dollar.

Das russische Joint Venture holt täglich 1,9 Millionen Barrel (je 159 Liter) Öläquivalent aus dem Boden. Die Hälfte, die davon BP zusteht, entspricht rund einem Viertel der Gesamtproduktion des britischen Konzerns. BP ist ohne Russland kein Wachstumsunternehmen mehr.

Von 2004 bis 2006 ging bei BP einschließlich aller Joint Ventures die Ölförderung um zwei, die Gasförderung um ein Prozent zurück. Ohne TNK-BP hätte das Minus sechs beziehungsweise zwei Prozent betragen. In den drei Jahren verringerten sich die nachgewiesenen Reserven des Konzerns an Öl um drei und an Gas um vier Prozent. Ohne die russische Beteiligung hätte der Rückgang bei Öl 16 und bei Gas sieben Prozent betragen. Auch wenn die Produktion in Russland nicht immer ideal lief – sie verdeckt die Tatsache, dass viele andere Öl- und Gasfelder des Konzerns ihren Höhepunkt überschritten haben.

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