Inside: Cemex
Globaler Latinokonzern

Der mexikanische Zementhersteller Cemex hat überraschend viel für den australischen Wettbewerber Rinker geboten. Firmenchef Lorenzo Zambrano vollendet mit der Übernahme sein Meisterstück: Er hat Cemex vom regionalen Zementproduzenten zu einem multinationalen Konzern und Global Player gemacht.

MEXIKO. Als der mexikanische Zementhersteller Cemex Anfang April seine Übernahmeofferte für den australischen Konkurrenten Rinker um knapp ein Drittel auf 15,3 Milliarden US-Dollar erhöhte, rieben sich Analysten und Branchenkenner verwundert die Augen. Beim 16. Übernahmeversuch war es das erste Mal, dass Cemex sein ursprüngliches Angebot nachbesserte. Der Konzern aus dem nordmexikanischen Monterrey ist bekannt dafür, ein Angebot genau zu kalkulieren, es abzugeben und es dann nicht nachzubessern. Was ist geschehen?

Für Lorenzo Zambrano sei es eine Frage der Ehre gewesen, sagt ein Freund des Cemex-Vorstandschefs. Zambrano, Enkel des Firmengründers, habe Rinker um jeden Preis haben wollen. Denn mit der Übernahme der Australier vollendet der 62-Jährige sein Meisterstück. Wenn die Aktionäre von Rinker bis zum 18. Mai das Übernahmeangebot angenommen haben werden, ist der Umbau von Cemex vom kleinen regionalen Zementhersteller in Familienhand zu einem multinationalen Konzern und Global Player vollendet.

Ohne Rinker wäre die Erweiterung nicht vollständig gewesen. Nicht inhaltlich, weil Cemex nur mit den Australiern weltweiter Primus bei Baustoffen wie Beton, Asphalt und Kies werden konnte. Und wer langfristig in dem Geschäft erfolgreich sein will, muss weg vom reinen Verkauf von Zement. Denn das Zeitalter der reinen Zementhersteller geht zu Ende. Künftig kann nur noch ganz oben mitspielen, wer sich zu einem integrierten Baustoffkonzern umbaut.

Auch geografisch wäre Cemex’ Verwandlung nicht vollendet ohne Rinker. Nur mit einem noch festeren Fuß in den USA, dem größten und dynamischsten Markt für Baumaterialien, wird Cemex endgültig ein multinationaler Konzern. Rinker erwirtschaftet dort 85 Prozent seines Umsatzes.

Cemex-Rinker wird künftig noch mehr ein Unternehmen der Superlative sein, vor allem für mexikanische und lateinamerikanische Verhältnisse. 67 000 Angestellte und Präsenz in 50 Staaten auf vier Kontinenten. Kein anderer Latinokonzern ist international derart dicht vernetzt. Und mit der Integration von Rinker wird die Ausrichtung der Mexikaner noch internationaler. Bereits vergangenes Jahr erwirtschaftete Cemex nur noch rund ein Fünftel seines Betriebsergebnisses auf dem Heimatmarkt, ein weiteres Fünftel in den USA. 42 Prozent seines Umsatzes machte der Konzern aber bereits in Europa, hauptsächlich in Spanien (zehn Prozent) und Großbritannien (elf Prozent). Jetzt verschiebt sich das Schwergewicht nochmals deutlich in die USA. Außerdem erhöht Cemex seine Präsenz in Asien, vor allem in China, und natürlich auf Rinkers Heimatmarkt Australien.

Letztlich werden die Mexikaner auch beim Umsatz Branchenführer. Bevor Cemex 2005 die britische RMC schluckte und damit über die Tochter Readymix auch in Deutschland ankam, hatte das Unternehmen aus der Industriemetropole Monterrey einen Jahresumsatz von 7,2 Milliarden Dollar und Aktivitäten in vielen Staaten Lateinamerikas, in Asien und Europa. Mit dem Kauf von Rinker nun schnellt der Umsatz schon kurzfristig auf 23 Milliarden Dollar, womit die Mexikaner den bisherigen Branchenprimus Lafarge aus Frankreich deutlich abhängen. Die Branche ist auf Konsolidierungskurs. Weltweit tätige Baustoffgiganten formieren sich, die unabhängiger werden wollen von regionalen Konjunkturschwankungen im stark zyklischen Baugeschäft. Deutschlands Branchenprimus Heidelberg Cement hat gerade ein Übernahmeangebot für die britische Hanson vorgelegt.

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