Inside: Clariant
Reizende Schwächen

Unübersichtlich ist gar kein Ausdruck: Der Schweizer Chemiehersteller Clariant kauft rund 6 000 verschiedene Rohstoffe ein. Daraus machen knapp 22 000 Mitarbeiter auf 130 weltweit errichteten Anlagen 50 000 verschiedene Produkte für Branchen, die wie die Textilherstellung und die Elektronikindustrie herzlich wenig miteinander zu tun haben. Clariants Management hat entsprechend Mühe, den Überblick zu bewahren.

ZÜRICH. Ein Zusammenrücken der Fabriken geht oft nicht, weil Kunden enge Liefervorgaben machen und die Produktion deswegen in ihrer Nähe stattfinden muss. Clariants Management hat entsprechend Mühe, den Überblick zu bewahren: Restrukturierungskosten, eine Wertberichtigung von 100 Millionen Franken (62,5 Millionen Euro) im Ledergeschäft und ein Buchverlust von 80 Millionen Franken aus dem Verkauf der Einheit pharmazeutische Feinchemikalien bewirkten, dass Clariant 2006 unterm Strich einen Verlust von 78 Millionen Franken auswies.

Bei nahezu 900 Millionen Franken Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Einmaleffekten ist das schmerzlich und lässt auf mehr als eine Handvoll Baustellen schließen. So kommt es, dass bei Clariant niemand die Zukunft rosarot malt: Die Konzernführung rechnet in diesem Jahr mit keiner Verbesserung der bescheidenen Margen und gibt die mager anmutende Parole aus, die Betriebsgewinnmarge bis 2009 auf neun Prozent zu steigern.

Die Schweizer werden nicht zuletzt wegen dieser enttäuschenden Zahlen und eines entsprechend schwachen Aktienkurses immer wieder als erste genannt, wenn von Übernahmen die Rede ist. Erst diese Woche wieder gerieten sie in den Fokus von Spekulanten, die nach Kaufgerüchten um Dow Chemical jetzt darauf setzen, dass auch Clariant an die Reihe kommt.

Spekulanten können auch einmal Recht haben: Ein Zusammengehen mit anderen wäre vermutlich nicht die schlechteste Lösung. Denn offenbar genügen Clariants derzeitige Größe und Marktstellung nicht, um höhere Preise durchzusetzen. So ist es dem Spezialchemie-Hersteller noch nicht gelungen, die um zwei Prozent höheren Rohmaterialkosten auf die Kunden zu überwälzen.

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