Inside: Conergy
Krise im Rekordjahr

Die hochfliegenden Pläne vom Sprung in die Weltliga der Solarbranche konnte Conergy nicht erfüllen; nach schlechten Unternehmensnachrichten ging es im Gegenteil steil abwärts. Doch einige Großinvestoren haben ihr Vertrauen offenbar noch nicht verloren.

Für Conergy zeigen sich erste Hoffnungsschimmer, über den Berg ist der schwer angeschlagene Solarkonzern aber nicht. Nach wie vor dominieren hohe Schulden und Verluste das Unternehmen, das vor kurzem noch in die Weltliga der Photovoltaik aufsteigen wollte.

Immerhin riskieren es neue Geldgeber, hohe Summen in Conergy zu stecken. Die Brüder Andreas und Thomas Strüngmann haben sich verpflichtet, ein Viertel der geplanten Kapitalerhöhung zu zeichnen, die etwa 250 Millionen Euro einbringen soll. Die Börse quittierte die Zusage der Gründer des Generika-Herstellers Hexal mit einem kräftigen Kurssprung für die Conergy-Aktie. Sie hat es auch bitter nötig, denn als Folge der finanziellen Schieflage war der Kurs von rund 70 Euro auf Werte um zehn Euro abgestürzt. Seitdem hat sich der Wert nur leicht erholt.

Damit hat Conergy einen zweiten prominenten Aktionär mit Rang und Namen, was neues Vertrauen in das Unternehmen wecken kann. Der Industrielle Otto Happel war bereits im November bei Conergy eingestiegen und hat sich bereit erklärt, das zweite Viertel der Kapitalerhöhung zu zeichnen. Der einstige Großaktionär der Metallgesellschaft und des Anlagenbauers Gea hält fünf Prozent an Conergy, besitzt aber eine Option auf 25 Prozent der Aktien.

Mit der Kapitalerhöhung will das Hamburger Unternehmen einen Überbrückungskredit über 240 Millionen Euro ablösen, den ein Bankenkonsortium unter Führung der Commerzbank Anfang Februar gewährt hatte, um Conergy dringend benötigte Liquidität bereitzustellen. Sollte der Aktienkurs weiter so schwach bleiben, dürfte es schwierig werden, für die Kapitalerhöhung weitere Geldgeber finden. Scheitert die Kapitalerhöhung gar, müsste Conergy weiter hohe Zinsen für den Kredit zahlen.

Immerhin zeigt der Konsolidierungskurs unter dem neuen Management erste Auswirkungen. Die angekündigte Konzentration auf die Photovoltaik nimmt Gestalt an. Die Aktivitäten in der Solarthermie – der Erzeugung von Warmwasser durch Sonnenlicht – in Belgien, den Niederlanden und Österreich hat Conergy abgestoßen. Weitere Verkäufe sind geplant.

Allerdings droht Conergy den Anschluss zu verlieren. Während das Management in Hamburg mit Aufräumarbeiten und der Sicherung der Liquidität beschäftigt ist, verdient die Konkurrenz prächtig und expandiert weltweit. So hat Solarworld kürzlich den Bau einer Fabrik für Solarmodule in Korea angekündigt. Conergy dagegen kann die neue Fabrik in Frankfurt/Oder in diesem Jahr nur zu etwa einem Drittel auslasten, da der benötigte Rohstoff Silizium nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

Damit entgeht Conergy das voraussichtliche Rekordjahr 2008. In Deutschland dürfte die Nachfrage nach Solaranlagen in diesem Jahr kräftig steigen, weil ab 2009 die Förderung sinken wird. Zugleich dürfte die Silizium-Knappheit vorbei sein, da neue Werke die Lieferung aufnehmen. Sinkende Preise schmälern jedoch die Rendite – auch bei Conergy.

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