Inside
Conergy: Zu wenig Eigenkapital

Conergy hat seine Strategie geglättet. Ohne weitere Finanzspritzen hilft das dem Solarenergie-Unternehmen aber nicht weiter.
  • 0

DÜSSELDORF. Seit einem Jahr kämpft das Hamburger Solarunternehmen Conergy jetzt gegen den drohenden Untergang. Im Oktober 2007 räumte der damalige Vorstand erstmals Probleme ein und kündigte einen Verlust an. Ein Sparprogramm sollte die Wende bringen. Aus dem Sparprogramm ist der radikale Umbau des Unternehmens geworden, doch die Probleme sind geblieben. Die hohe Verschuldung von rund 600 Millionen Euro drückt Conergy weiter in die roten Zahlen.

Conergy-Chef Dieter Ammer, der nach der Absetzung des Gründers Hans-Martin Rüter vom Aufsichtsrat auf den Chefsessel gewechselt ist, hat zwar vor kurzem von den Banken einen Aufschub bis zum Jahresende für die Lösung der Finanzprobleme bekommen. Doch der Zeitplan steht weiter auf sehr wackeligen Füßen.

Conergy will mit einer Kapitalerhöhung den Überbrückungskredit über 240 Millionen Euro ablösen, mit dem die Banken dem Unternehmen im Februar den drohenden Liquiditätskollaps abgewendet hatten. Deshalb soll die Kapitalerhöhung mindestens 250 Millionen Euro in die leeren Kassen spülen. Maximal erhofft sich Ammer 450 Millionen, um auch wieder an Expansion denken zu können.

Eigentlich sollte die Kapitalerhöhung bis Ende September unter Dach und Fach sein, denn dann lief die Kreditlinie aus. Das schlechte Börsenumfeld machte Ammers Plänen einen Strich durch die Rechnung. Die Banken haben die Kreditlinie bis Jahresende verlängert, was Conergy etwas Zeit gibt, aber weiter teure Zinsen kostet.

Doch das Börsenumfeld wird für die angepeilte Kapitalerhöhung nicht besser. Um den Kredit abzulösen, müssten bei weiter fallenden Kursen immer mehr neue Aktien ausgegeben werden. Es droht eine starke Verwässerung der Aktie. Zwar haben die beiden Großaktionäre Otto Happel und die Brüder Strüngmann zugesagt, sich mit insgesamt 125 Millionen Euro an der Kapitalerhöhung zu beteiligen, doch der Rest wird schwierig zu beschaffen sein. Denn die angepeilte Kapitalerhöhung liegt wesentlich über der aktuellen Börsenkapitalisierung von nur noch rund 150 Millionen Euro.

Dagegen hat Ammer andere Probleme weitgehend gelöst. Conergy konzentriert sich nur noch auf die Photovoltaik. Die vielen Ausflüge in andere Bereiche der erneuerbaren Energien, mit denen sich der alte Vorstand verzettelt hatte, hat Ammer gekappt und dafür auch Buchverluste akzeptiert. Für die viel zu große Fabrik in Frankfurt/Oder hat das Unternehmen mit dem koreanischen LG-Konzern einen Partner gefunden, der 75 Prozent der Anteile übernehmen wird. Conergy konnte die noch neue Fabrik nicht auslasten, da in Erwartung fallender Preise nicht genügend Mengen des knappen Vormaterials Silizium gesichert worden waren - eine verhängnisvolle Fehleinschätzung des alten Managements.

Doch alle diese strategischen Erfolge nutzen nichts, wenn die finanzielle Basis des Unternehmens nicht gesundet. Mit einer Eigenkapitalquote von nur noch knapp sechs Prozent und 600 Millionen Schulden bei zuletzt 700 Millionen Euro Umsatz kann Conergy auf Dauer nicht bestehen.

Kommentare zu " Inside: Conergy: Zu wenig Eigenkapital"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%