Inside: Continental
Die Wennemer-Woche

Diese Woche wird spannend für den ehrgeizigen Continental-Chef Manfred Wennemer. Am Donnerstag präsentiert er erstmals nach Abschluss der Übernahme des ehemaligen Konkurrenten VDO seine Geschäftszahlen. Für den Dezember musste Conti das Ergebnis der ehemaligen Siemens-Tochter konsolidieren. Nun sieht es so aus, als ob die Rechnung aufgeht.

DÜSSELDORF. Das Problem: Die Märkte honorieren die positiven Signale des Dax-Konzerns bislang nicht. Als Hauptrisiko führen Skeptiker die hohe Verschuldung für den VDO-Kauf an. In Zeiten von Bankenkrise und Kreditklemme ist ein Finanzierungsrahmen von insgesamt 13,5 Mrd. Euro eine schwere Bürde.

Ironie am Rande: Derzeit drücken sinkende Zinsen die Finanzierungskosten, da etwa 80 Prozent der Conti -Verbindlichkeiten zu variablen Zinsen angelegt sind. Dabei muss es nicht bleiben. Schlägt das Zinspendel in die andere Richtung aus, hat Contis Finanzchef Alain Hippe keine Wahl, als tiefer in die Kasse zu greifen. Mittelfristig will er deshalb die flexibel verzinsten Schulden auf den vor dem VDO-Deal üblichen Wert von 50 Prozent zurückführen.

Der Schuldenberg sollte allerdings früher abgetragen sein als befürchtet. Die Hannoveraner erwirtschaften absehbar einen freien Cash Flow, der zwischen 1,5 und zwei Mrd. Euro liegen dürfte. In zwei Jahren müsste die Bilanz wieder ziemlich ausgeglichen sein. Die von der Talfahrt der Continental -Aktie gebeutelten Aktionäre dürfen sich deshalb trotz des Schuldendienstes auf eine Dividende freuen. Bezeichnenderweise fordern weder Analysten noch Investoren ernsthaft, Wennemer möge auf die Gewinnausschüttung verzichten und lieber Schulden abbauen.

Die Gefahr einer Rezession in den USA und der zu erwartende weiter schrumpfende Markt für Autos und leichte Lastwagen in Nordamerika trüben die Stimmung für 2008 - US-Autobauer Ford gehört zu den wesentlichen Conti -Kunden. Da hilft es dem Unternehmen, sich vom Reifenproduzenten zum High-Tech-Zulieferer gewandelt zu haben. Zudem hat Wennemer rechtzeitig gut 100 Mill. Euro in Hybridtechnologie investiert, um den unterschiedlichen Bedarf der Autobauer nach Elektroantrieben decken zu können. Und auch bei den Billigautos für Schwellenländer wie dem Tata Nano sind die Niedersachsen an Bord.

Zum Geschick kommt Fortune: Selbst der Konflikt mit Betriebsräten und IG Metall um den Jobabbau bei der Integration von VDO verliert an Brisanz. Statt der befürchteten 7 000 Stellen sollen nur rund 2 000 wegfallen. Bis Ende Februar sollen die Details geklärt sein. Contis Personalvorstand Heinz -Gerhard Wente kommen natürliche Fluktuation und ein guter Geschäftsverlauf entgegen. Anfang März werden Wennemer und Finanzchef Hippe die nur schwer mit dem Vorjahr vergleichbaren Geschäftszahlen 2007 erklären. Dann wird sich zeigen, ob die guten Aussichten dieser Woche reichen, um die Märkte zu überzeugen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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