Inside: Daimler-Chrysler
Vor der Zerreißprobe

Seit knapp zwanzig Jahren versucht man bei Daimler, wichtige Entscheidungen so vorzubereiten, dass sie von den Arbeitnehmern mitgetragen werden können. Doch dies wird immer schwierieger, denn angesichts der Chrysler-Verkaufspläne verhärten sich die Fronten zwischen Management und Arbeitnehmervertretung zunehmend.

STUTTGART. In der vergangenen Woche wurde nur Dank der Doppelstimme von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper die Kooperation von Chrysler mit dem chinesischen Autobauer Chery abgesegnet. Danach sollen Fahrzeuge in China gebaut und unter der Marke Dodge verkauft werden. Die Arbeitnehmerbank hat geschlossen gegen die Kooperation gestimmt.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm und UAW-Chef Ron Gettlefinger machen damit gemeinsam Front gegen Vorstandschef Dieter Zetsche. Klemm sagt es zwar nicht, aber nach diesem Votum dürfte ein Verkauf Chryslers an einen chinesischen Interessenten nahezu ausgeschlossen sein.

Es lohnt ein Blick zurück. Seit Jahren hat es keine Kampfabstimmung mehr im Daimler-Aufsichtsrat gegeben. Eines der prominentesten Beispiele war die damals überraschende Ernennung von Werner Breitschwerdt 1983 zum Vorstandschef. Nach dem plötzlichen Tod des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Prinz waren Finanzchef Edzard Reuter und Produktionschef Werner Niefer die ersten Anwärter auf den Posten des Daimler-Chefs.

Die Wahl fiel aber auf Breitschwerdt. Für ihn hatte sich der damalige Sprecher des Großaktionärs Deutsche Bank und Daimler-Benz-Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Guth ausgesprochen – gegen das geschlossene Votum der Arbeitnehmer. Die Personalentscheidung blieb auch in den folgenden Jahren umstritten. Sie provozierte einen Machtkampf zwischen Breitschwerdt und Reuter, der den Konzern fast zerriss. Breitschwerdt gab 1987 entnervt auf.

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