Inside: Deutz
Von Sanierung zur Expansion

Zwanzig Jahre haben die Aktionäre der Deutz AG auf eine Dividende warten müssen. Dieses Jahr hat die lange Pause ein Ende: Es winkt wieder eine Ausschüttung. Der Kölner Motorenhersteller ist saniert und zeigt sich in der besten Verfassung seit langem.

DÜSSELDORF. Allerdings ist das über 140 Jahre alte Traditionsunternehmen nicht mehr vergleichbar mit dem einst weltweit agierenden Hersteller von Nutzfahrzeugen und Motoren, der zu Spitzenzeiten 32 000 Personen beschäftigte. Bilanzmanipulationen, Missmanagement und schrumpfende Märkte ließen das Unternehmen in den 90er-Jahren fast zusammenbrechen.

Heute konzentriert sich das Unternehmen auf die Herstellung von kompakten Dieselmotoren für Maschinen. Konzernchef Gordon Riske, der 2000 als Sanierer antrat, hat Deutz zu einem Ein-Produkt-Unternehmen gemacht. Der Anlagenbau wurde verkauft, die Marinemotoren einschließlich des recht rentablen Servicegeschäftes abgegeben und vor kurzem der lange defizitäre Bereich Gas- und Dieselmotoren für die dezentrale Energieerzeugung an einen Finanzinvestor verkauft. Der Erfolg gibt Riske recht. Deutz beschäftigt zwar nur noch rund 5 800 Personen, aber im Vergleich zu früher mit steigender Tendenz. Auch Gewinne und Eigenkapitalquote zeigen wieder nach oben.

Eigentlich müsste das Unternehmen heute Porz AG heißen. Deutz ist der Kölner Stadtteil, in dem das Unternehmen gegründet worden war. In Porz nahe des Flughafens liegt heute die Zukunft des Unternehmens. Hier hat das Unternehmen eine neue Halle für die Fertigung von LKW-Motoren gebaut und steigt nach langer Zeit wieder in dieses Segment ein. In einen schmucklosen Neubau gleich daneben hat der Vorstand auch die Unternehmenszentrale verlegt. Am Gründerstandort Deutz, wo bereits 1869 Motoren gefertigt wurden, montiert das Unternehmen zwar noch Aggregate und fertigt Komponenten, doch das düstere Gelände wird heute von der Messe und der ICE-Bahnstrecke geprägt und nicht mehr vom Motorenbau.

Das voll ausgelastete neue Werk in Porz ist Ausdruck der Strategie Riskes, große Kunden an das Unternehmen zu binden. Der Großteil der Motoren geht an Volvo, dafür hat sich der schwedische Konzern mit sieben Prozent an Deutz beteiligt und die Entwicklung mit finanziert. Ebenso bei Same: Der italienische Landmaschinenbauer beendet die eigene Produktion von Motoren, bezieht diese von Deutz und ist mit 40 Prozent größter Aktionär, ohne die Mehrheit anzustreben. Ein ähnliches Modell kann sich Riske auch in den USA vorstellen, wo Deutz nach einem Partner.

Deutz ist mit dieser Strategie als einer der wenigen unabhängigen Motorenspezialisten neben dem US-Konkurrenten Cummins gut gefahren. Angesichts steigender Umweltvorschriften wird vielen Herstellern von Baumaschinen, Bussen, LKWs oder Landmaschinen die Entwicklung eigener Motoren zu teuer, sie lassen sich von externen Spezialisten beliefern. Auch in China will sich Deutz als unabhängiger Motorenspezialist profilieren. Das jetzt eröffnete Gemeinschaftsunternehmen mit dem größten chinesischen LKW-Bauer FAW wird große Mengen an FAW liefern, soll aber vor allem Sprungbrett für den asiatischen Motorenmarkt sein.

Damit schaltet Deutz von der Strategie der Sanierung auf Expansion. Dafür stehen die Zeichen gut, zumal die derzeitige Konjunktur kräftig Rückenwind verleiht. Einzige Unsicherheit bleibt der neue Chef. Der erfolgreiche Sanierer Riske tritt im Oktober beim Gabelstapler-Hersteller Kion an, ein Nachfolger ist noch nicht bestellt.

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