Inside: Dow Chemical
Griff zu den Quellen

Der amerikanischen Chemiekonzerns Dow Chemical strebt offenbar eine Partnerschaft mit dem russischen Energieriesen Gazprom an. Anders als der Konkurrent BASF geht es dem US-Konzern aber ausschließlich um Kooperationen im Chemiebereich. Und im Vergleich zu den Plänen, die das Unternehmen mit anderen Rohstoffproduzenten verfolgt, wäre ein solcher Deal nur eine Marginalie.

FRANKFURT. Andrew Liveris, Chef des amerikanischen Chemiekonzerns Dow Chemical, sorgte jüngst für Aufsehen, als er sich zur möglichen Partnerschaft mit dem russischen Energieriesen Gazprom äußerte. Damit scheint der US-Konzern auf den Spuren seines Konkurrenten BASF zu wandeln, der bereits seit gut einem Jahrzehnt mit Gazprom kooperiert, diese Allianz in jüngerer Zeit noch intensivierte und inzwischen mit den Russen auch über Chemieprojekte verhandelt.

Freilich: Man sollte die Parallelen zwischen den beiden führenden Chemiekonzernen der Welt nicht überschätzen. Denn anders als die BASF, die sich im Verein mit Gazprom tief in Gasproduktion und -handel engagiert, hat Dow wohl keinerlei Ambitionen im Energiegeschäft. Dem US-Konzern geht es ausschließlich um Kooperationen im Chemiebereich.

Und für Dow wäre ein solcher Deal nur eine Marginalie im Vergleich zu den Plänen, die der US-Konzern mit anderen Rohstoffproduzenten verfolgt, insbesondere aus dem arabischen Raum. So verhandelt er derzeit mit Saudi-Aramco, dem weltgrößten Ölproduzenten, über ein Chemieprojekt, das Liveris jüngst als das „künftige Freeport der aufstrebenden Märkte“ bezeichnete. Dabei geht es um Investitionen von beachtlichen 16 Milliarden Dollar. Die texanische Hafenstadt Freeport beherbergt bekanntlich die größte Ansammlung von Chemie-Firmen und Produktionsanlagen in Nordamerika.

Während die Auslands-Investitionen der BASF vor allem auf die Nähe zu wichtigen Absatz-Märkten wie China zielen, setzt Dow stärker auf die Nähe zu preisgünstigen Rohstoffen. Welche Strategie den größeren Erfolg beschert, wird wohl erst das kommende Jahrzehnt zeigen. Womöglich erweisen sich sogar beide als richtig.

Denn die Ausgangspositionen sind keineswegs identisch. So ist Dow vor allem im Feld der Basis-Chemikalien und -Kunststoffe deutlich stärker vertreten als die Ludwigshafener. Günstige Transport-Bedingungen und die Liberalisierung des Handels haben ihre Produktion nahe den Ölquellen immer attraktiver gemacht. Das brachte dem arabischen Raum eine Flut von Investitionen und löste nun offenbar ähnliche Überlegungen bei Gazprom aus.

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