Inside: Dürr
Frisch lackiert

Aktienhoch, mehr Umsatz, Gewinnsteigerung: Beim Anlagenbauer Dürr scheint die Rückkehr in die Erfolgsspur geschafft. Der junge Vorstandschef Ralf Dieter kann die Früchte der Restrukturierung ernten. Da passt die jüngste Erfolgsmeldung über eine Montagelinie im neuen Airbus-Werk in China ins Bild.

STUTTGART. Die Aktie hat in einem Jahr ihren Wert um 50 Prozent gesteigert und notiert über 33 Euro. In diesem Jahr peilt Dürr bei über 1,5 Milliarden Euro Umsatz und eine Gewinnsteigerung von 36 auf über 50 Millionen Euro (Ebit) an. junge Vorstandschef Ralf Dieter kann die Früchte der Restrukturierung ernten.

Da passt die jüngste Erfolgsmeldung ins Bild: Gemeinsam mit dem Ingenieurdienstleister EDAG haben die Schwaben einen Rahmenvertrag mit dem Flugzeughersteller Airbus zum Bau einer Montagelinie im neuen Werk in China unterzeichnet. Die Vereinbarung hat voraussichtlich ein Volumen von 80 Millionen Euro, davon entfielen etwa 40 Prozent auf Dürr. In dem Werk in Tianjin bei Peking will der europäische Flugzeugkonzern ab 2008 Maschinen des Typs A320 herstellen. Es ist die erste Flugzeugfertigung von Airbus in China.

Bei dem wegen des sensiblen Technologietransfers in der Branche umstrittenen Projektes kann sich Airbus keinen Fehltritt erlauben und vertraut auf bewährte Anlagenbauer. Für Dürr ist der Auftrag ein Prestigeerfolg. Die Schwaben sind vor allem bekannt für ihre Lackieranlagen und Montagelinien für die Automobilindustrie, die 2006 knapp 80 Prozent des Gesamtumsatzes von 1,36 Milliarden Euro ausmachten. Vorstandschef Dieter will aber die Abhängigkeit von der Autoindustrie verringern.

Die Kooperation mit der EDAG kommt nicht aus heiterem Himmel. Bei Dürr ist der Investor Lutz Helmig kürzlich mit gut zehn Prozent eingestiegen. Dessen Beteiligungsgesellschaft Aton ist Inhaberin der EDAG aus dem osthessischen Fulda, die vor allem die Autoindustrie als Kunden hat. Eine weitere Aufstockung der Anteile ist nicht geplant. Größter Aktionär ist aber immer noch die Familie von Heinz Dürr, dem ehemaligen Vorstandschef der AEG und der Deutschen Bahn, mit einem Paket 44,2 Prozent. Stabilität bei den Aktionären kann das Unternehmen gut gebrauchen.

Als Dieter vor gut eineinhalb Jahren das Ruder übernahm ging es Dürr sehr schlecht. Mit teuren Zukäufen hatte sich das Unternehmen sowohl finanziell übernommen, als auch seine Management-Kapazitäten überschätzt. Zudem drohten Hedgefonds die Kontrolle über das Unternehmen zu erlangen. Die Eigentümerfamilie musste Kapital nachschießen. Teilbereiche mussten verkauft, Personal abgebaut werden. Zudem hatte Dürr vor allem in den USA Aufträge um jeden Preis hereingenommen, die nicht mit Gewinn abzuarbeiten waren. Zudem litt Dürr unter dem massiven Einbruch der US-Autoindustrie.

Der neue Chef hat das Prozeßcontrolling auf Vordermann gebracht. Die schlechten Aufträge wurden nach und nach abgearbeitet. Die völlig überdimensionierte Firmenzentrale in Zuffenhausen verkaufte Dieter an den expandierenden Nachbarn Porsche. Dürr selbst zieht nach Bietigheim aufs Land. Frei nach dem Motto „small is beautiful“ hofft Dieter jetzt auf neue Aufträge. Zumal der Investitionsstau in der Autoindustrie sich langsam aufzulösen scheint. Vor allem im Service-Geschäft will der Anlagenspezialist Dieter verschärft mitmischen. Und die Umweltdebatte spielt Konzernen wie Dürr in die Hände. Es lockt das Modernisierungsgeschäft. Vorteil für die Traditionsfirma Dürr: Rund 60 Prozent aller Lackieranlagen in der Autoindustrie stammen weltweit von Dürr - eine solide Geschäftsbasis.

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