Inside: EADS
Heikle Deutschlandreisen

Seit fast einem Jahr ist Louis Gallois nun alleiniger Chef der EADS. Mindestens einmal die Woche, so verkündete er, wolle er die deutsche Zentrale in München besuchen. Faktisch weilt der EADS-Chef aber fast ebenso oft in Berlin. Zwar ist die Bundesregierung anders als Frankreich kein direkter Aktionär des Luft- und Raumfahrtkonzern, doch die Regierung Merkel pocht auf Mitsprache

Die Themenliste ist lang, die Atmosphäre kühl. Beispiel Airbus-Hilfen: Die Bundesregierung will die Entwicklung des neuen Hoffnungsträgers A350 subventionieren, aber nur wenn Forschung und Entwicklung in Europa bleiben. Airbus-Chef Tom Enders weist das Junktim zurück: Ein solches Denken sei Geschichte, brüskierte der Manager jüngst den deutschen Staatssekretär Peter Hintze auf offener Bühne.

Da ist Gallois schon der bessere Diplomat. Dem verbindlichen Franzosen gelingt es eher die Wogen zu glätten, die in Deutschland beim Thema EADS neuerdings schnell hochschlagen. Als der Konzern Anfang 2007 sein Sanierungsprogramm "Power 8" verkündete, war es vor allem Gallois, der besorgten Bürgermeistern und Betriebsräten den Blutdruck senkte. Als ehemaliger Chef der französischen Staatsbahn weiß er, Beschäftigte und Politiker zu packen.

Dennoch wächst in Berlin das Unbehagen gegenüber der EADS. Denn der Konzern lebt stark von deutschen Steuergeldern. Zwei Drittel des Beschaffungsetats der Bundeswehr landen in den Kassen des "militärisch-industriellen Komplexes", wie solche Konglomerate früher einmal hießen.

Nicht nur Haushaltspolitiker murren. Seit Monaten wartet die Bundeswehr auf den Lieferplan für den Militärtransporter A400M, der noch nicht einmal seinen Erstflug hinter sich hat. Mit jedem Tag Verzögerung des Milliardenprojektes müssen die altersschwachen "Transall"-Maschinen weiterfliegen. Der EADS fliegen vor allem die Kosten um die Ohren: Gallois verhandelt mit Berlin über einen Nachschlag für die 400M.

Der Franzose muss lavieren, denn auch beim Eurofighter steht viel auf dem Spiel. Das Kampfflugzeug wird zwar pünktlich geliefert, aber so wirklich braucht es niemand mehr. Zwei Tranchen sind bestellt, über die dritte mit 68 Flugzeugen wird demnächst verhandelt. Da auch Briten und Italiener weniger Maschinen wollen, sitzt die Bundesregierung am langen Ende des Tisches.

Bislang ist Deutschland nur Kunde bei der EADS, aber das könnte sich bald ändern. Daimler, bislang Gralshüter der deutschen EADS-Interessen, hat das Recht, ab dem 1. Juli 2010 seine Anteile abzustoßen. Die Bundesregierung hat ein Vorkaufsrecht. Da sich in der deutschen Wirtschaft das Interesse an einem EADS-Einstieg in Grenzen hält, spricht viel für einen deutschen Staatsanteil im neuen Jahrzehnt. Gallois wird das als EADS-Chef voraussichtlich nicht mehr erleben. Jüngsten Gerüchten zufolge soll der 64-Jährige 2009 auf Wunsch des französischen Staates ausscheiden. Grund: Er sei zu nachsichtig mit den Deutschen.

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