Inside
EADS: Nie wieder Festpreise!

Festpreise sind für Kunden eine feine Sache, erst recht wenn es sich um langfristige Projekte handelt. Ohne Rücksicht auf anfallende Kosten des Produzenten kann der Kunde bestimmen, wie viel ihm eine Leistung wert ist. Das Risiko liegt voll beim Auftragnehmer.

Hat der sich verkalkuliert, muss er zum festgeschriebenen Preis liefern – auch wenn er mit dem Geschäft Geld verliert.

„Nie wieder Festpreise!“ rief EADS-Chef Louis Gallois in diesem Sommer aus, als er zum wiederholten Mal die Auslieferung des Militärairbus A400M verschieben musste. Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern hat im Überschwang der Großbestellung für das Prestigeprojekt auf feste Preise mit seinen Hauptabnehmern Deutschland, Frankreich und Spanien eingelassen. Jetzt werden die Maschinen später ausgeliefert und die Entwicklung wohl deutlich teurer. Die Regierungen pochen auf ihre wasserdichten Verträge. Keinen Cent mehr, heißt es aus Berlin, Paris und Madrid.

Gallois Verdruss steigt, denn das Drama droht sich bei der Konzerntochter Astrium zu wiederholen. Die Weltraumsparte bewirbt sich um die Neuausschreibung des Satellitennavigationssystems Galileo. Das Großprojekt der europäischen Union trudelte mehrmals am Abgrund. Nachdem ein Industriekonsortium unter Federführung der EADS im vergangenen Jahr den Aufbau verpatzte, ist nun die europäische Weltraumagentur ESA für Galileo zuständig. Die Behörde veranstaltet seit einigen Wochen einen „Wettbewerbsdialog“ mit der Industrie. Wer den besteht, muss sich auf Festpreise einlassen. Der ESA-Etat für Galileo ist mit 3,4 Milliarden Euro von der EU-Kommission gedeckelt. Nicht nur in der Industrie wachsen die Zweifel, ob die Summe auch nur annähernd reichen wird.

Doch wer in der europäischen Telekommunikations- und Satellitenbranche mitspielen will, muss mitbieten. Zähneknirschend bewirbt sich Astrium nun für den Bau der 30 Positionssatelliten, den die Bremer einst für sich reklamierten. Und um den sicher geglaubten Auftrag buhlt nun auch der deutsche Konkurrent OHB. Beide Unternehmen drohen sich zur Freude der ESA-Strategen gegenseitig zu unterbieten.

Für den einstigen Haus- und Hoflieferant EADS zeichnet sich ein gefährlicher Trend ab. Das Modell Wettbewerb und Festpreis findet immer mehr Anhänger in den europäischen Hauptstädten. Künftige Projekte, wie der Bau eines militärischen Schwerlasthubschraubers oder die Entwicklung unbemannter Kampf- und Aufklärungsdrohnen, werden zu einem schwer kalkulierbarem Abenteuer für das deutsch-französische Gemeinschaftsunternehmen.

Es sieht danach aus, dass die sich die EADS bei Galileo das Festpreismodell schönrechnet – und auf Gewinne bei den Folgeausschreibungen hofft. Projekte mit knapp kalkuliertem Profit und hohem Risiko können aber langfristig kein erfolgreiches Geschäftsmodell sein. Will sich die EADS diesem Trend entziehen, muss sie in öffentlichen Ausschreibungen ihre Konfliktfähigkeit erhöhen – und notfalls auch einmal einen staatlichen Großauftrag ziehen lassen.fasse@handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%