Inside: EGO
Rendite aus der Provinz

Tief in der ländlichen Region nahe Karlsruhe ist mit Landwirtschaft, Weinanbau und Familienunternehmen zu rechnen – doch ein Weltmakrtführer mitten in der Provinz? Die mittelständische Firma EGO stattet mehr als die Hälfte aller weltweit hergestellten Herde mit Kochfeldern aus und erweist sich dabei nicht nur als produktiv, sondern auch als sehr bodenständig.

STUTTGART. Manche „Hidden Champions“ versteckten sich wirklich so, dass kaum einer außerhalb der Branche diese Weltmarktführer kennt. Bei der EGO Blanc und Fischer & Co. GmBH trifft das im doppelten Sinne zu. Einmal ist das Unternehmen im Kraichgauer Hügelland zu Hause. Der Landstrich zwischen Karlsruhe und Heilbronn ist bekannt für gute Weine, nicht aber für große Industrieunternehmen. So ist EGO mit 2 000 von insgesamt 7 300 Beschäftigten in Oberderdingen eine große Nummer – aber auch nur dort.

Dabei finden sich die Steuerungen, Schalter und Kochfelder in jedem zweiten Herd auf der Welt. Aber anders als bei „intel inside“ auf dem PC, steht auf keinem Herd „EGO-Inside“, obwohl die Kraichgauer Hirn und Herz für Herde namhafter Kunden wie Bosch/Siemens, Electrolux und Whirlpool entwickelt und liefert. Billiganbieter wollten schon mit den Qualitätszulieferungen aus dem Kraichgau werben, aber da wehrten sich die Hersteller der Nobelgeräte. Wenn das geschehe, könnte EGO auch gleich noch das Blech um die Ceran-Felder mitliefern. So hat sich EGO in der Anonymität eingerichtet - und das nicht schlecht.

Allein im vergangenen Jahr steigerte der Weltmarktführer den Umsatz um 13 Prozent auf 590 Mill. Euro. Einschließlich der Mehrheitsbeteiligung am Kochmuldenhersteller Blanco übertrifft der Gruppenumsatz 900 Mill. Euro. Jährlich produzieren die Kraichgauer mehr als zehn Millionen Herdplatten, Weltmarktanteil: 65 Prozent. 1931 hatte alles mit gusseiserne Herdplatten angefangen. Heute ist EGO an allen Innovationen maßgeblich beteiligt vom Ceran-Feld, Touch Control bis zu Induktionsherden, bei denen sich nur Topfboden, nicht aber Herdplatte erhitzt.

Bereits ein Drittel des Umsatzes entfällt auf reine Elektronik, mit zunehmender Tendenz. Als wichtigster Zulieferer der „weißen Ware“ ist EGO längst seinen Kunden gefolgt und verfügt über Werke von Kroatien bis China. Die USA wird künftig von Mexiko aus bedient. Gedacht wird in Oberderdingen wie selbstverständlich global. Kaizen und Six Sigma gehören in Oberderdingen zum Standardrepertoire. Die Kraichgauer bringen den modernen Management-Schnickschnack aber lieber auf eine einfache Formel „Null Fehler ist halt das Ziel“.

Die Verwurzelung in der Region und die hohe Bedeutung für die Beschäftigung in der Heimatstadt hat eine stark auf das Wohlbefinden der Belegschaft ausgerichtete Firmenkultur hervorgebracht. Bei der Pressekonferenz sitzt wie selbstverständlich der Betriebsratsvorsitzende Bruno Nehring neben Chef Dieter Kilpper und erläutert die Firmenpolitik. Man stelle sich so etwas bei Daimler-Chrysler vor.

Seit den kritischen Zeiten für EGO vor zehn Jahren herrscht bei Führung und Beschäftigten Konsens über Mehrarbeit statt betriebsbedingten Kündigungen. Seit fünf Jahren wird in Oberderdingen 37,5 Stunden in der Woche gearbeitet, davon 2,5 Stunden unbezahlt. Das durch die Mehrarbeit erwirtschaftete zusätzliche Ergebnis teilen sich Unternehmen und Mitarbeiter. Auf diese Weise wurde 2006 den Beschäftigten die Hälfte ihrer unentgeltlichen Mehrarbeit nachträglich ausbezahlt. Einbeziehung der Beschäftigten in die Entscheidungsprozesse ist für EGO genauso wichtig wie Innovationen. Der Zulieferer steht blendend da, während namhafte Kunden und Konkurrenten vom hart umkämpften Markt verschwunden sind.

Anders als bei vielen Mittelständlern bricht bei EGO nicht das Schweigen aus, wenn es um den Gewinn des Stammhauses geht. Offenheit empfindet die Führung auch hier als Pflicht gegenüber den Beschäftigten. Das Ergebnis nach Steuern stieg um ein Viertel auf über 30 Mill. Euro – wahrlich kein provinzielles Ergebnis.

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