Inside: Endesa
Eine Frage des Preises

Eon-Chef Wulf Bernotat muss im zähen Übernahmekampf um Endesa mit einer großen Unbekannten kalkulieren: Die Führung des größten spanischen Energiekonzerns selbst befindet in einer Schlüsselrolle. Sie kann Bernotat entscheidend unterstützen, sie kann ihm aber auch ziemlich große Steine in den Weg legen.

DÜSSELDORF. In den kommenden drei Monaten entscheidet sich, ob der Streit von Eon und der spanischen Gas Natural um Endesa zu einer langen juristischen Hängepartie wird. In dieser Zeit muss das spanische Industrieministerium über Beschwerden von Eon und Endesa beraten. Beide Unternehmen haben sich über die strengen Bedingungen beklagt, unter denen die spanische Energieaufsichtsbehörde CNE Eons 27 Milliarden Euro schwere Übernahmeofferte gebilligt hat. Insgesamt 19 Auflagen hat die CNE verfügt. Eon müsste unter anderem ein Drittel der Stromproduktion in Spanien verkaufen.

Bernotat wird in den Gesprächen mit dem Industrieministerium versuchen, zumindest einen Teil der Auflagen abzumildern. Er muss sich letztlich entscheiden, ob er den Rechtsweg weiter verfolgen und vor Gericht die Auflagen komplett kippen will oder ob er sich mit einem Kompromiss zufrieden gibt. Es spricht viel dafür, dass Bernotat einige Auflagen akzeptieren wird, um schneller voran zu kommen.

Das kann allerdings nur gelingen, wenn Endesa-Chef Rafael Miranda und Chairman Manuel Pizzaro mitspielen. Die beiden können den Übernahmeprozess schließlich entscheidend verzögern. Zum einen könnte die Endesa-Führung nach dem Beschwerdeverfahren beim Minister selbst gegen die Entscheidung der CNE klagen. Zum anderen läuft bereits eine Klage gegen das Gebot von Gas Natural. Das Endesa-Management lehnt die Offerte als feindlich ab, stellt die kartellrechtliche Genehmigung in Frage und hat erwirkt, dass das Gebot ausgesetzt ist. Solange die Gas-Natural-Offerte in der Schwebe ist, kann die Börsenaufsicht aber auch Eons Gebot nicht freigeben. Das Problem ließe sich nur lösen, wenn Endesa die Klage, wie schon mehrmals angedeutet, zurückziehen würde.

Noch hat die Konzernführung aber nicht eindeutig Position bezogen. Klar ist bislang nur, dass sie das Unternehmen am liebsten unabhängig halten will und den Angriff des heimischen Konkurrenten Gas Natural ablehnt. Die Aussagen zu Eon sind dagegen vage: Die Offerte sei besser, aber auch noch nicht hoch genug, heißt es lediglich. Andererseits gibt das Management Eon derzeit Schützenhilfe und hat die Regierung vor einer Diskriminierung gewarnt.

Verlassen kann sich Bernotat auf die Hilfe des Endesa-Managements jedenfalls nicht – vor allem nicht, wenn er einen großen Teil der verfügten Auflagen akzeptieren sollte. Die Übernahme des spanischen Branchenführers würde sich zwar für Eon selbst unter harten Auflagen rechnen. Die Endesa-Führung könnte den Verkauf großer Teile intern aber nur schwer vermitteln. Das käme einer Zerschlagung gleich – und genau aus diesem Grunde hatte sie bereits die Offerte von Gas Natural zurück gewiesen.

Andererseits muss sich die Konzernleitung letztlich vor den eigenen Investoren rechtfertigen – und Großaktionär Caja Madrid hat die Auflagen schon als akzeptabel bezeichnet. Letztlich könnte es also eine Frage des Preises sein, ob das Management Eon unterstützt. Die Börse jedenfalls spekuliert schon darauf, dass Bernotat etwas auf sein Gebot von 25,40 Euro je Aktie draufsattelt – der Titel notiert derzeit bei knapp 27 Euro.

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